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• FROM THE- LIBRARY- OF ■
'OTTO -BREMER-
JOHANN JACOB ^SPRENGS
IDIOTICON RAURACUM
Bearbeitet
Adolf Socin
Abs Birlinicers Alemannia
BONN 1888
Verlag von P. Hanstein
PRESERVATIOM
COPX-AOOEr
BREMER
IB89
Unter den Sammlungen des mundartlichen Wortschazes
im vorigen Jarhundert gehört das „Idioticon Bauracum oder
Basel. Wörterbuch" von Johann Jacob Spreng, ein unter den
Handschriften der Universitätsbibliothek zu Basel sub A A I 3
aufbewarter, schön und kräftig geschribener starker Foliant,
zwar nicht zu den bekannteren, sicherlich aber zu den besten.
— Die erste Nachricht darüber gibt Peter Ochs im ersten
Bande seiner Geschichte der Stadt und Landschaft Basel (1786),
wo er S. 18—21 den baslerischen Dialekt durch einige Proben
zu karakterisieren sucht: „Der Professor Spreng soll eine zahl-
reiche CoUection über unsem Dialekt hinterlassen haben. Ich
besorge nur, daß er bei Sammlung derselben zu sehr in das
System einer allgemeinen europäischen [Orundl Sprache ein-
genommen war." (Auch von Ochs besizt die Basler Univer-
sitätsbibliothek eine handschriftliche „Kleine Sammlung von
Provincialwörtem, wie sie in unserer Vaterstadt im gemeinen
Leben gebraucht und gesprochen werden. Basel 1782.") —
Stalder (1812) hatte Kunde von der Arbeit Sprengs, aber der
von den Erben eifersüchtig gehütete Schaz war im nicht zu-
gänglich, und so ist derselbe erst in neuester Zeit für die
Wißenschaft fruchtbringend geworden, einmal durch die Ver-
wertung seitens der Bearbeiter des Schweizerischen Idiotikons,
sodann in Seilers „Basler Mundart." Da aber Lezterer den
Spreng erst wärend des Druckes und nur in der zweiten Hälfte
seines Werkes benuzen konnte, und er im Idiotikon unter der
Masse des übrigen Materials verschwindet, dürften zusammen-
hängende Mitteilungen aus dem originellen Werke nicht un-
willkommen sein. Auch eine zukünftige Hebelausgabe, wie die
Götzinger'sche, wird aus der Sprengschen Handschrift manche
Aufhellung schepfen können.
Johann Jacob Spreng war geboren am 31. Dec. 1699 zu
Basel. Von gewecktem Geiste durchlief er schnell die Schulen
seiner Vaterstadt und widmete sich dann dem Studium der
Theologie. Als Hauslerer beim wirtembergischen Gesandten
in Wien wurde er 1724 Karl VI vorgestellt und von im für
ein deutsches Gedicht zum kaiserlichen Poeten gekrönt. Nach-
her war er Geistlicher verschidener Befugiantengemeinden
im Wirtembergischen und in der Pfalz. 1746 kehrte er blei-
bend nach Basel zurück, nachdem im schon 1743 der Bat den
neu creierten Titel eines außerordentlichen Profeßors der Elo-
quenz und der deutschen Poesie verlihen hatte. 1754 über-
nam er das Fach der Geschichte, 1762 die Profeßur des Qrie-
Ivia50041
chischen. öerümt wird seine in diser Disciplin beobachtete
faßliche und klare Lermethode. Er starb den 24. Mai 1768. —
Ochs (Gesch. d. St. u. Landsch. Bas. Vm [1822] S. 82/83) sagt
von im : „Er hatte viel Witz, und sein Witz war oft etwas
beißend. Er ist auch der einzige deutsche Dichter, den Basel
aufweisen kann. Seine Uebersetzung der Psalmen ist bekannt.
Es befinden sich aber unter seinen hinterlassenen Handschriften
mehrere Gedichte von hohem Werth. Sein Vater, Lehrer am
Gymnasium, hat sich um die Schreibkunst so verdient gemacht,
daß noch die Sprengische Schreibart allen andern vorgezogen
wird.«
Aus der langen Reihe der Werke Sprengs: geistliche Ge-
dichte, historische und philologische Abhandlungen, welche die
Biographie in den Athenae Rauricae (Basel 1778, 11 386) aufzält,
kommen für den Sprachforscher in Betracht: Der Eidgenoß,
eine moralische Wochenschrift, 1749, und Specimen Glossarii
teutonici 1759, „opus ingens atque multiplici eruditione refer-
tum, pluribus voluminibus constans." — Spreng war Mitglid
der Deutschen Gesellschaften zu Leipzig, Göttingen und Bern
und hatte eine solche auch zu Basel gestiftet in Gemeinschaft
mit seinem Freunde DroUinger, dessen Gedichte er 1743 heraus-
gab. Hier spricht er den Wunsch aus, es möchten die bas-
lerische und die Bemer Gesellschaft sich vereinigen, um die
den Schweizern eigenen und geübten Deutschen anstößigen
Wörter und Redensarten zusammenzutragen und mit beige-
fügter reiner Verdeutschung unter dem Namen eines helveti-
schen Wörterbuchs seinerzeit herauszugeben. Aus einer An-
merkung erfaren wir, daß DroUinger und Spreng sich darüber
stritten, ob man neben Oel auch das Oele sagen dürfe. Spreng
fügt bei: „Dergleichen grammaticalische Zweifel zeigen die
Notwendigkeit eines kritischen deutschen Wörterbuches sowohl
für die Deutschen überhaupt, als auch insbesondere für die
Schweizer, Schwaben, FrarSken u. dgl." Hier haben wir mithin
wol den Ausgangspunkt der lexikographischen Arbeiten
Sprengs zu suchen.
Im „Eidgenoß" und seiner Fortsezung in den fünfziger
Jaren, dem „Helvetischen Patriot," wird ein änlicher Ton
angeschlagen. Spreng streitet gegenüber der Sprachrichterei
der Obersachsen für das gute Recht der Schweizer, welche
noch eine schöne Anzal kraftvoller Ausdrücke haben, die man
zur Ere der deutschen Sprache in Schwung bringen sollte.
Mit dem „Vorschlag eines allgemeinen deutschen Glos-
sarii," 1759, hat es folgende Bewandtnis: Nach der Vorbe-
merkung soll es eine Sammlung keltischer, gotischer, alt-
fränkischer, angelsächsischer, langobardischer und alemanni-
scher ürwörter aus den alten Gesezen, Gedichten, Urkunden,
Wörterbüchern und andern Schriftstellern, sowie der alten
germanischen Namen sein. „Endlich wird man zur Bereiche-
rung unserer Sprache die in Vergessenheit geratene Kraft-
und Stichwörter und reiche Atisdrüokö unserer Altvordern be-
merken wie auch neuere Kunstwörter und andere bündige
Redensarten, die man in den gewöhnlichen Wörterbüchern ver-
geblich sucht. Desgleichen sollen verschiedene in den ober-
ländischen Schriften und Kanzleyen noch übliche, aber ver-
werfliche Wörter und Redensarten, damit sich ein reiner
Schriftsteller davor hüte, eingerückt werden. Mit einem Wort,
man wird Alles anwenden, daß das vorgeschlagene Werk nicht
nur ein trockenes Wörterbuch abgebe, sondern mit annehm-
li<5hen und merkwürdigen Auszügen durchaus versehen und
nicht nur den Sprachforschem, sondern überhaupt auch allerlei
Gelehrten, Standspersonen, Kanzleybeamten und Liebhabern
schöner Wissenschaften nützlich und gleichsam unentbehrlich
werde. Aus dieser Ursache wird man sich eine besondere
Pflicht daraus machen, das Werk durchgehends so einzurichten,
daß es von allerlei Glaubensgenossen in dem römischen Reiche
ohne Anstand und mit Vergnügen gelesen werden könne. **
Das Wörterbuch sollte also gleichzeitig ein historisches und
ein kritisches sein. Die für die Drucklegung erforderliche
Anzal von Subscribenten scheint sich aber nicht gefunden zu
haben. Spreng berechnete das Werk auf fünf oder sechs Teile,
jeden zu mindestens 130—140 Bogen, und disem Umfang, der
dem für das Grimmische Wörterbuch ursprünglich geplanten
gleichkommt, entsprechen die ebenfalls auf der Basier Biblio-
thek noch aufbewarten, zum kleinem Teil ausgearbeiteten
CoUectaneen. Von älteren Schriftstellern sind u. a. ausge-
zogen Tatian, Otfrid, Notker, Wolfram von Eschenbach, Boner,
Stumpf, Seb. Frank, Gesner, Cysat. Die für des Verfassers
Zeit anerkennenswerte Wörtersamm^fing aus den altgermani-
schen Dialekten, namentlich aber seine krausen Etymologien
sind natürlich heute gänzlich veraltet; für Denjenigen, der die
Mühe nicht scheut, den Wust durchzuarbeiten, mag die Samm-
lung immerhin an Ausdrücken der älteren Amts- und Hand-
werkersprache noch manche Ausbeute sowie Belerung gewären
über die sprachkritischen Anschauungen des vorigen Jar-
hunderts.
Das Idiotikon Eauracum, zu welchem wir uns jezt wen-
den, ist in dem Verzeichnisse der Athenae Rauricae nicht
aufgefürt, und auch die Handschrift selbst enthält weder direct
noch indirect eine Notiz, aus der die Zeit der Abfaßung resp.
der Zusammenstellung sich ergäbe. In Folge des Umstandes
aber, daß merere Idiotismen augenscheinlich aus dem Helve-
tischen Patriot, der einige Dialektproben bringt, geschepft sind,
können wir die Entstehung der Sammlung in die fünfziger
und sechziger Jare sezen, villeicht ist sie auch erst nach dem
Feischlagen des allgemeinen Wörterbuchs entstanden und, da
Spreng irer nirgends erwänt, kurz vor seinem Tode abge-
schloßen worden (das Werk ist von A bis Z vollständig und
gleichmäßig ausgearbeitet). Wir werden also wol das Richtige
treffen, wenn wir, um eine runde Zal anzunemen, das Idioti-
conRauracum praeter propter auf 1760 datieren. — Und nun
zu dessen Inhalt selbst. Wir haben daraus systematisch aus-
gezogen und geben im Folgenden wider: 1 Die Wörter,
welche sich beziehen auf Sitten, Oehräticke und Aberglanben,
sowie Ausdrücke und Redensarten, welche für die Denkweise
der Basler des vorigen Jarhunderts besonders bezeichnend
sind. In dise Rubrik gehört also die Sprache der Handwerke
und Gewerbe: Bäcker, Gerber, Mezger, Rebleute, Schiffleute,
Schuhmacher, Weber, Kaufleute etc., die Ausdrücke derVolks-
medicin, die Bauemsprache (von Spreng selbst durch „Land-
wort" gekennzeichnet), die Sprache des Kinderspils und der
Schule; femer die Benennungen von Speisen und Leckerbißen
(„Eochworte"), der Bedürfhisse und Gerätschaften des täglichen
Lebens, insbesondere der Kleidungsstücke und Zierraten des
weiblichen Geschlechtes.
Li den Begriffsübertragungen, Bildern, Sprichwörtern
wird man einen gewißen Zug zum Sarkastischen erkennen,
welcher der Basler Mundart noch heute innewont, und der im
vorligenden Falle durch die originellen, satirisch gefärbten
Deutungen Sprengs noch verstärkt wird. (Vgl. das Urteil
von Ochs über Spreng und des Leztem Bemerkung zu
Diejenigen Ausdrücke (und wie vile sind irer!), die in
der heutigen Mundart nicht mer gehört werden, haben wir mit
* bezeichnet. Auf Unfelbarkeit machen wir dabei keinen An-
spruch. Manche Dialektwörter verschwinden eine Zeitlang
oder leben in einzelnen Familien fort, um dann plözlich wider
aufzutauchen ; auch Neuscjiepfungen sind inzwischen durchge-
drungen, ümgekert haben wir villeicht einige Bauern- und
technische Ausdrücke fälschlich als noch lebend angenommen.
Eine Anzal von Wörtern bezeichnet übrigens Spreng als
veraltet.
2. Spreng beschränkt sich nicht bloß auf die gesprochene
Mundart, er schenkt auch den Ausdrücken der altbasleriscken
ÄmtS'y Gerichts- und Bilchersprctche volle Beachtung. Von äl-
teren Schriften citiert er die Zürcher Bibel, Frisius, Maaler,
Wurstisen und baslerische Geseze und Verordnungen. Er
kommt damit einer Forderung von Ochs zuvor: „Der Sammler
der Ausdrücke des Schweizer Dialektes sollte auch jene Wörter
aufhehmen, die zwar wie das Hochdeutsche lauten, aber einen
Nebenbegriff ausdrücken, der in Sachsen ungewöhnlich ist.
Von dieser Gattung ist z. B. das Wort auskünden. Man kün-
det bei uns eine Person aus, damit ihre Gläubiger sich zu er-
kennen geben; man kündet eine Liegenschaft aus, damit Die-
jenigen sich melden, die eine darauf haftende Schuld oder
Dienstbarkeit anzusprechen haben. Endlich kündet man ein
Amt aus, damit Diejenigen sich angeben, die sich darum be-
werben. Man kündet aber Verlobte nicht aus, sondern man
verkündet sie, doch vor Zeiten wurde der Ausdruck ausktin-
den für Verlobte auch gebraucht." (Gesch. d. St. u. Landsch.
Bas. Vn 625/26. Ochs berürt merfach Sprachliches, freilich
mit der Liebhaberei eines Dilettanten). — Als Schriftsprache
war der alemannische Dialekt zwar bereits seit dem Anfange
des 17. Jh. verschwunden, noch aber erhielten sich zumal für
die Benennung der Einrichtungen, der Bevölkerungsklassen
und der mannigfachen kleinen Beamtungen eines sich selbst
verwaltenden Gemeinwesens eine Menge von althergebrachten
der hochdeutschen Sprache fremden Ausdrücken. Soweit die-
selben Eigentümlichkeiten der Kanzleisprache sind, bekämpft
sie Spreng ebensoser wie die Ausschließlichkeit der Ober-
sachsen und widerlegt damit die kürzlich ausgesprochene Be-
hauptung, als sei für die Gegner der sprachkritischen Anschau-
ungen Gottscheds kurzweg und durchweg die Kanzlei Kanon
gewesen. — Mit disen Wörtern der schweizerischen Bücher-
sprache des 17. und 18. Jh. hat die Zeit noch mer aufgeräumt
als mit den eigentlich mundartlichen; die zwei Sternchen (**),
die wir den ausgestorbenen diser Kategorie geben, beweisen
es deutlich. Nur wenige haben sich seither in der allgemeinen
Schriftsprache Bürgerrecht erworben : entsprechen, Flühe oder
Fluh, der nämliche; andere finden sich noch bei schweize-
rischen Autoren oder in der Amtssprache': äufnen, Auf(ent)-
halter,-etwelcher, fallendes Weh, zu gutfindender Verfügung,
Hehl bieten, jeweilig, jeweilen, wurmstichig; auch wärend
und wegen mit dem Dativ, Gewinn«^ und Verlurst, pl. die
Dieben, die Töchtern kommt in Zeitungen vor. Wenn aT^er
Spreng Ratte als Idiotismus mit „hochdeutsch" Ratze, Haus-
knecht mit „Keller** in einem Wirtshause, der Schrecken mit
das Schrecken, schwören mit schweren erklärt, so hat sich
heute das Verhältnis gerade umgekert.
Mit besonderer Vorliebe werden logische Verstöße der
Sprache gegeißelt: at^/%a6end6 Pflicht, byzy teuer, en^ttnehren etc.
Von grammatischen Eigentuenüichkeiten seien noch her-
vorgehoben: Abweichung im Genus: der Last, die Aufruhr,
das Pfeil; -fach^ für -fach: einfacht; schmirzen; Verbindung
fz: Lefzge, Stefzgen, Trefzen; in der Declination: die Bögen,
die Schöf, dieMütern; die Comparative holder, wöler, schader,
wirser; in der Conjugation Analogiebildungen wie weißt, frieg,
kief ; beditten, geloffen, geschahen, bezigen, anzünden, aber
gerieft (gerufen) usw. usw.
Die Dialektwörter kleidet Spreng nach dem früheren
Gebrauche, der sich der scharfen Scheidung zwischen Schrift-
sprache und Mundart noch nicht so strenge bewußt war, meist
in das Gewand hochdeutscher Lautgebung: Aufschößling, Reite
etc. Die Umschreibung der Begriffe ist in der Regel genau
und durch Sazbeispile aus dem Leben illustriert, Verweisun-
gen auf Synonyma und Analoga sind in der Handschrift über-
all angebracht. Doch hat an einigen Stellen der Hang zum
Etymologisieren zu. falschen Deutungen verfttrt, so, wenn als
ursprüngliche Bedeutung von Meyel „Hamglas" angegeben
wird, als gehörte das Wort zu meyen (mingere), wärend es
tatsächlich von majolica herkommt. Die Etymologien, die mit
Vorliebe zum Keltischen greifen, sind überhaupt die schwache
Seite Sprengs ; des Beispils halber haben wir seine Erklärung
von mustodt (mausetodt) widergegeben, sonst aber derlei Dinge
weggelaßen. — Im Uebrigen haben wir die Worte des Autors
und auch seine Orthographie, die nicht schlechter ist als die
heutige, getreulich bewart.
BASEL ADOLF SOCIN
^abebnen abgleichen. Wird bey dem
Schneiden einer Feder gesagt,
wenn die geschärfte Spitze der-
selbigen mit dem leisten Schnitte
abgegleicht und zum Schreiben
ffescUckt gemacht wird.
*aDelo heißen die Jungen ein Spiel
mit Marmorkügelchen, die sie an
einer Wand oder Mauer herunter-
lassen, bis sie die Eügelchen
ihres Gegners darmjt schlagen,
welche sie dann für ihren Ge-
winst aufraffen.
ablegen wird von voreiligen Mütem
gesagt, die sich eines Kindes ent-
laden : sie het abglait sie ist wie-
der Jungfer.
Abschlaher Abschlag- oder Sichel-
messer der Beblente, Winzer-
Hippe.
^abziehen wie Lenz d. i. ganz be-
schämt, mit einer langen Nase,
mit langen Schritten und gleich-
sam mit eingezogenem Schweife,
wie ein verscheuchter forttraben-
der Wolf.
**äferen die Erde mit dem Pfluge
oder mit der Hacke bearbeiten.
In den baselischen Gesetzen iot
eine Ahndung wider die Unter-
tahnen, welche über die Lach-
bäume und Marksteine äfern. —
IL wiederholen.
Affenti|;el ein Spottname ungestal-
ter Kinder.
**Agde f. Wasserfurche, aquaeduc-
ti^.
Aegersten nennen unsere Spottvögel
die hiesigen Stadtknechte wegen
der weiBen und schwarzen Stadt-
farbe.
**Aletwein nectarites.
**all8tet8 stets, immer. Wird von
Schreiberlingen gebraacht.
Almnsen Almosen, Liebesgabe, Mild-
steuer, Armengut. It. das Haus
des Almosenschaffhers* It. das
Tollhaus.
''''^alsdann für demnach, dieweil, zu
Anfange obrigkeitlicher Befehle
und anderer Urkunden, ist ver-
altet und undeutsch, sodaß man
es billig aus den Eanzleyen ver-
bannen sollte.
ältelen alt aussehen, alt denken«
Die Jungfer ältelet. Ein Eind,
das ältelet, stirbt bald. Dise
Münze ältelet nicht gfung. IL
Nach dem Altertum und Schim-
mel riechen, situm redolere.
Amadislein HalbstöBe oder AnstöBe
um die Handwurzel, entweder die
Hände zu wärmen oder das weiBe
Gezeng in dem Schreiben oder
anderer Arbeit zu schohnen.
Aemmlein, Emmli eine Budel oder
ein geschraubtes Trinkfläschchen
der Kinder, mit einem Mundstücke
gleich einer Brustwarze, woran
sie wie an einer Amme trinken.
^'^Amselnpfle^er schreiben einige
Unverständige für Amtspfleger»
welches auf der Landschaft ein
Forstbeamter oder Anschläger des
Holzes und an einigen Orten zu-
gleich ein Gantmeister ist.
^'^anfallen Jemand mit dem Stäbe
Jemanden oder sein Gut durch
richterliches Verbot bekümmern
und verhaften, (alte GO.)
*Anhenker ein Eirchensitz ohne Leh-
ne, der an einer Leenbank fest ge-
toacbt ist and an solcher auf- und
nidergelassen werden kan. Für
dis unartip;« Wort könnte man
einen Ansitz ader Nebensitz ne-
men. ^nAenA:er nennet man auch
ein Geschleppe Kinder und an-
derer verdrieBlicher Dinge. Das
Mensch war scho aznä (schon an-
zunemen) wenn nur der Ahänker
nit war, den mä mit ihr hyrotä
mueß ; nämlich ein Jungfern kind
oder ein Buckel.
Ankenballe massa butyri. Anken-
bälleli nennen wir ein milchwei-
ßes, wolauRgefalltes Kind, infan-
tem qui sit totus teres atque ro-
tundus.
Ankenkratte ein großer, beynahe
viereckichter Flechtkorb, derglei-
chen man einem Saumrosse zwey
anzuhängen und mit Butterballen
oder anderer Waare zu beladen
Ankenscharre Butterscharre ; ein
krummes Scharreisen, die harte
gesodtene Butter darmit nach
Nohtdurft loszukratzen.
ABk^nwecklein ein Butterweckchen
für 3. Rappen.
ftnlaegen anschauen, ankucken« Es
darf ä Katz ä Bischoff aaluegen.
**aiiiiiäppeii ein Schiff, d. i. an-
binden.
Aiirichter ein Anhenktisch, den
man an einer Wand auf- und
niderlassen kan.
*aiiraeren (Landw) anrühren, an-
gränzen, anstoßen. Er isch wüest
agruert er ist häßlich angelaufen.
^^Anschlaher unter einem Stadt-
tohre, Anschläger, der die an-
kommenden Beitw und Wagen
nach der Anzahl der Pferde mit
Klockenschlägen meldet*
**ansonst sonst. Wird nur von ei-
nigen Schriftlinffen gebraucht.
**Antraiife, Antrliife Dachrinne,
Traufrecht (jus stillicidii).
**ad Aerarinm J)epiitirte: lieber
schriebe und sagte man deutsch,
wie die Alten, Schatzamt oder
Schatzherren,
*Arboga8t heißt ein tapferer Kriegs-
mann oder Kriegsheld. Diser
Name ist auch unsem Bauern
gemein und hat in Anseliun^
ihres Berufes die Bedeutung eines
kräftigen und strengen Arbeiters
auf dem Felde.
"^arme Mannen nennet man zu Basel
weiß Brot lang ^eschnidten, in
rohtem Weine emgewaicht, in
Butter gebacken, in Zucker und
Zimmet umgekehrt und mit einer
Brühe von rohtem Weine, Zucker,
Zibeben und Korinten begossen.
Aette Vater, parens. Ist ein Ehren-
name, den unsere Landleute aueh
einem ehrwürdigen Greisen zu
geben pflegen.
**aafhabende Pflicht ist falsch oder
nichts gesagt, denn eigentlich
kan die Pflicht nichts auf sich
haben und tragen; und seiner
aufhabenden Pflicht genug tuhn
ist gut deutsch lediglich: seiner
Pflicht ein Genügen leisten, s«
tragendes Amt.
Anfhiäter seyn geringer als Hinter-
saßen und haben den Aufenthalt
an einem Orte nur auf Bürgschaft
und auf eine gewisse Zeit.
änfnen blühen und gedeihen machen,
emporbringen. Einen an Ehren
und Gut äufnen. — Aeufner Be-
förderer ; ^et^/Vit^n^ Aufname, Ge-
deihen, Wachstum. Zu Aeafnung
der Kirche. Die Aeufnung schö-
ner Wissenschaften sich angele-
sen seyn lassen.
♦♦AufmliP (die) für der Aufruhr
seditio. Man sagt zwar die Ruhr,
die Grundruhr u. dgl., und war
demnach die Aufruhr besser ge-
sagt; dem aber ist der Gebrauch
in dem Hochdeutschen zuwider.
Anfschößling, Ufschützlig heißt zu
Basel ein Bürschchen oder Jüng-
ferchen, das nächstens in die Em-
pfindung gehet oder bereits da-
rinnen stehet.
**auftuhn eine Zel^ heißt, wenn
nach der Aemde die Garben samt
dem Zebnden aus dem Felde ge-
führt worden, das Vieh in die
Zeig treiben und darinnen waiden
lassen«
♦♦Ansbereiter, üsbreiter der die
Waaren der sogenannten Hosen-
lismer auf den Kauf ausbreitet.
^AnsWtfer heißt bey nns nicht
nur wie anderswo ein Filzer, eine
Au8scheliangnndStrafpredigt,8on-
dem auch die Abrechnung eines
Gläubigers mit seinem Schuldner
und der Ausgang, den es alsdann
mit dem letzteren gewinnt. Also
heißt es von Jemand, der da
große Winde macht, dahinter
doch nichts steckt: Es werde sich
im Ausbntzer zeigen, was er ge-
wesen,
^anshippeln einander schänden und
schmähen wie die Hippenweiber.
ftiisk&ndeii auskündigen. — Aus-
kündgant, Auskündigungsgant.
Auskündzedel, Auskündigungs-
schein.
anslären oder abladen sagt man
von ledigen Mütem, die sich
eines Kindes außer der Stadt in
der Stille entladen und gleich
darauf wider in jungfräulicher
Gestalt öffentlich auftreten.
Bachanken braune Butter, welche
in der Pfanne, darinnen man et-
was gebacken oder geröstet, zu-
rückgebliben und zu weiterem
Gebrauche für das Gesinde auf-
gehoben wird«
Bachis m. ein Kopf voller Fluß
und Krusten, mit eingebackenen
Haren« Man gebraucht das Wort
nur von Kindern, außer dem Ge-
spötte : Wie darf der Bachia schon
ä Ma nä? 0. i. Wie darf das
Mensch mit dem grindichten
Kindskopfe schon einen Mann
nemen ?
*Bftdeerf.ßadschürze, castula, peri-
zonium.
Bafel m. alte verschossene Kanf-
mannswaare, Ladenhüter. So wird
etwann auch eine verlegne Jung-
fer genannt« Deßgleichen der
Troß und Pöbel.
*Bagnolet Regen- oder Wetterkappe
des Frauenzimmers.
Bahn für Bann, Kirchengerichte.
Bahnherr Eirchenältester.
Bande hauen d. i. Wide schneiden,
nämlich cum Dienste des Nach-
richters, wie denn bey den west-
fälischen und andern Gerichten
ehmals Band und Wid anstati
der Stricke zum Aufknüpfen ge-
braucht worden. Gang go Band
hauä! Packe dich zum H . . .
Abi in malam rem! Abi et sus-
pende te! Aus dem Munde ver-
nünftig:er Leute soll man derglei-
chen nicht hören.
banden heißt die Beben mitWiden
an ein Geländer heften. Wenn
aber dise Arbeit mit Stroh an
den Rebstecken geschiht, so heißt
man es binden.
^dureh den Barehet Jagen Jemand
durch alle Proben gehen lassen
und ihm so lange das Grobe be-
nemen, bis man ihn durch das
feinste Sib treiben kan.
'i'Bärenliaat ist der Name eine« be-
rühmten Gefängnisses der Hurer
und Ehbrecher in unserer Stadt.
Ein unzeitiger Hochdeutscher hat
die Benennung mißkänntlich ge-
macht, indem es eigentlich Bern-
hut d. i. kohtichter oder unflä-
tiger Kerker heißen sollte. Von
Bern sordes, coenum, excrementum
und Hut custodia. Daher haben
auch die Bemhäuter oder eigent-
licher zu reden di^Bemhüter den
Namen, als Solche, die da vei-
dienen, ihre Sünden in einem
Stankloche zu büßen, oder gar,
wie vormals die Germanier den
Faigen und Zagen zu tuhn pfleg-
ten, in einem Pfule erstickt zu
werden.
Bartgabeln Barthare, die sich wie
Rehgabeln spalten, wie an den
Warzenbärten.
Bäsi f. Base, Verwandte. So pfle-
gen auch in geringen Häusern
oder auf der Landschaft die Mägde
ihre Meisterinn zu nennen. So
heißt man zu Basel femers eine
Stifterinn weitläuftiger Schwä-
gerschaften. Zuweilen sagt man
mit einem Zusätze Jedermanns
oder Ällemanns Bäsi.
bastant für tüchtipf, fähig, der im
Stande ist. Mit Yei wunderung
fljidet man dis Wort auch in
Kanzleyschriften und Geaätzen.
**Bftiiherren nennet man die zur
Verbesserung und Erhaltung der
äiadtgebäude verordneten Herren
Aufeeher, welche zur Vollstareck-
ung ihrer Befehle den Lohnherm
unter rieh haben. Die an solchem
Bauamte gitzen, seyn ein Bür-
germeister oder Oberster Zunft-
meister und drey Glider des klei^
nen Bahtes samt dreyen aus dem
grossen Rahte.
Beekenmäiinleiii oder Beckenhuhen
nennet man die trockenen Mähl-
drüsen oder Mählkügelchen, wel-
che von den Weibern in dem
Brot- und andern Teige zuweilen
gelassen werden und nicht zu ge-
nießen seyn.
^'^Befaegsame Befügniß, Gerechtig-
keit.
"^^be^leiten ein Amt soll eigentlich
heißen ein Amt bekleiden, Dises
wird nur von ansehenlichen Be-
amten, Richtern, Rähten und Vor-
stehern in allerley Ständen ge-
sagt, da solche Herren bey ihren
Amtsverrichtungen das Recht ha-
ben, auf bekleideter Bank oder
Polster zu sitzen, und Tische, mit
Teppichen bekleidet, vorsieh ha-
ben. Allso ist es lächerlich und
verräht eine große Unwissenheit,
wenn man diese Redensart öfters
bey geringem Bedienungen miß-
brauchet.
**den Beiz andern Leuten hletzen
und den seinen die Läuse fres-
sen lassen heißt sich mehr um.
fremde Geschäfte als um die seini-
gen bekümmern und darüber ein*
baßen.
**bepcchteii Jemand gerichtlich an-
fechten.
**ßepner masc. hoher Erker, sublime
podium, oder sonst ein erhöchter
Ort. Eines der ältesten Gebäude
zu Basel hat daher den Namen.
Bettseher f. Spanbette, sponda.
**Bcyfaiig heißt auf der Landschaft
ein Stück Landes, welches von
der Almende oder Gemeinwaide
auf obrigkeitliche Erlaubniß
eingezäunt worden. Soll eigent-
lich ein Befang heißen.
^^Beyhänser ein Hausmann, den der
Haubtbeständer eines Hauses neben
sich darein nimmt, und für wel-
chen er dem EigenthÜmer stehen
muß« (Bas. alte Gerichtsordn.)
**Beziehbrief mandatnm immisso-
riale (Bas. alte Gerichtsord.)
Bhaltis m. allerley Eß- und Nasch-
waare, die man einem Gaste zu-
weilen mit heimgibt. Die Jum-
pfer N. het endli ihr Hochzytbhal-
tis usglärt. — Üeberhaubt heißt
Bhaltis das, was man aufbehält.
Bhütis tröli ! Behüte Gott uns treu-
lich! Da sey Gott vor! Wird
leichtsinniger Weise in dem ge-
meinen Gespräche nur als ein
lediges Flickwort angebracht, sei-
nen Abscheu uudEckel vor einer
Sache darmit anzudeuten.
Bieten m. das vordere oder hintere
Ende eines Schiffos.
Birlig, Birling ein Schochen Heu
oder ein Haufe Garben, derglei-
chen man auf dem Felde zusam-
menlegt, bis sie weggeführt wer-
den* Ist ein Landwort.
^Bisemklucker gesodtene Zucker-
kügelchen oder hartverzuckerte
Haselnußkeme, da man dem
Zucker einen Geschmack von
Mosch oder Bisem gibt*
Blaize Blaumeise. So nennten un-
sere Alten auch ein blaues Wund-
mal.
Bläsfener ein Feuer von leichtem
Holze, welches man vor einem
beschlossenen Backofen brennen
läßt, dem Brote eine schöne Bräu-
ne zu geben.
^Blai^ene f. nennten die Alten eine
Stampfmühle, und noch heutzu-
tage nennet man allso ein plau-
derhaftes Weib, welches den Ne-
benmenschen ebenso so arg mit
ihrer Zunge betäubet.
Bieg n. oder die Biege Saum oder
Leiste eines Kleides; fimbria, la-
cinia, limbus.
^blinde oder faule Rotte nennet
man eine eingebildete Rotte ge-
wisser Stadtwachten, welche nur
bezahlt, aber nicht versehen wer-
den.
blinder Stuhl ein Eirchensitz, da
man den Prediger wohl hören,
aber nicht sehen kann.
^Blodertaanbe vormals eine Weiber-
10
haube, hinten mit wfllstigen Fal-
ten gereihet, rinffs tun den Kopf
glatt nnd an beiden Ohren wie
auch mitten auf der Stime mit
einer Schnappe oder Spitze von
Drat geschlossen.
Blotere fem. Blase. Er isch innerft
Säubloterä nffenogä wordä d. i.
niemals in keine menschliche Ge-
sellschafb gekommen, sondern im-
mer bej seinem Stalle oder seiner
Mater Herde gesessen; er weiß
gar nicht zu leben, er riebet noch
immer nach seiner Herkunft.
^bocken ist ein gewisses Spiel mit
den Karten unter gemeinen Leu-
ten, was die Bas&te unter den
Großen.
*Bodel m. Bindsblutwurst. So wird
eben auch ein Weibsbild, das
durch allen Koht läuft, gescholten.
*Bodeiihanbe ehmals eine sehrstarke
Eckhaube des ledigen Frauen-
zimmers, welches die Zupfen, die
Aber dem Nacken aus dem soge-
nannten ZQpfenloche herausgien-
gen, um die beiderseits heraus-
ragenden Ecken breit und zier-
lich geflochten zu winden pflegte.
♦Böler fem. eine Spiel- oder Wurf-
nuß zum Höckeln, welche die
Jungen mit Wachs oder Pech
überziehen, damit sie desto schwä-
rer und zu dem Wurfe geschick-
ter werde. Böler nennet man
im Scherze auch einen einzigen
Bruder unter vielen Schwestern.
Bollenhammel, mißbräuchlich fQr
BoUhammel, Schellen- oder Leit-
hammel. — BoUhammel nennen
die Basler zum Spotte ein un-
flätiges Weibsbild, das voller Koht
hängfc.
Bolljr m. Fallhaube, Fallhut der
Kinder.
*Borte, Perlenborte f. hieß ehmals
ein vierschrötiger, mit Perlen
und Edelsteinen versetzter Kopf-
schmuck, mit welchen die Jung-
frauen bej Kindtaufen und bej
ihrem hochzeitlichen Kirchgange
und Gastmahle prangten.
das bSs Ding Krebs, umfressender
Schade, Wurm, Wolf. Ihr Kleid
hat*s bös Ding ist übel zerfetzt,
von den Mäusen und Motten zer-
fressen.
*Bräter Kleinviehmetzger.
^Brantmaes oder geele Pappe ein
Brey von feinem Mahl und Milch,
worunter, wenn er bald ausge-
kocht ist, Zucker und Safran ge-
rühret wird.
Braatmatzerinn eine Frau, welche
um den Lohn die Bräute zum
Kirchgange aufisetzet und schmü-
cket. Das muß eine künstliche
Brautmutzerinn seyn, die diser
Braut ein menschlich Gesicht auf-
setzte.
bremsen sich sich in seiner Hoff-
nung garstig betrogen finden. Das
Oleichniß ist von muhtwUligen
Pferden hergenommen, die nicht
halten wollen, bis sie einsmals
mit einer Bremse oder einem
fiQuppeisen in der Nase zahm ge-
rn acht werden und nicht wissen,
wie ihnen geschiht. gebremst
werden mit einer langen Nase
abziehen.
*Bret n. das magere Fleisch an ei-
nem Schwein. Me mueß der feißte
Sau bis ufis Bret stechä, wird ge-
sagt von einem Reichen, den man
um ein Großes strafen muß, ehe
es ihm weh tuht« Durchspicktes
Bret Fleisch mit Fettigkeit durch-
wachsen. Das Wort gebrauchen die
Hochdeutschen nur in Wildbret.
Durch Bret verstunden unsere
Alten allerlej Nahrung und Speise.
Brotbären Brothänge, Brotschragen,
Brotrame, Hangbare.
Brotküchlein Küchlein von Brot-
teige, wie kleine Schüsäelchen ge-
formet.
^Briidel m. Gerumpel, Plunder, Bet-
tel. Er kan seinen ganzen Brüdel
auf den Buckel nemen. Das ist
der Brüdel all. II Pöbel, schlecht
Volk. Der Gottesdienst ist bald
aus, man siht schon den Brüdel
daraus kommen.
Brttge f. Schaubüne, worauf man
spielet. It. ein erhabener Ort, wo-
rauf man den Schauspielen zusiht
It. ein erhabenerOrt in der Kirche,
dergleichen man bej Krönung
oder andern feyerlichen Anlässen
11
anfricliiet. It. ein Blutgerüste oder
eine Todtenbüne.
^nni das BILclileiii laufen od^r Weit-
lauf wm Bücher gescliiht jähr-
lich bej einem Teile der Schüler
unserer Stadt, weiche an einem
an^enemen Tage von ihren Lehr-
meistern singend und in schul-
gerechter Ordnung auf die Schüt-
zenmatte geführt werden, da sie un-
ter andern Ergötzungen nach auf-
gesteckten Büchern um die Wette
laufen und des Abends in voriger
Ordnung wieder heimziehen. Der-
gleichen Wettläufe pfleget man
alleine mit den Schülern anzu-
stellen, welche das sogenannte
Gymnasium, darinn eigentlich nur
Gelehrte aufenogen werden sollen,
nicht besuchen, und das. nicht
c^e Ursache, weil die wrigen
Knabenschulen vomemlicn für
solche Kinder, welche man zu Ge-
werben und Handwerkern ziehen
will, bestimmt seyn, da es denn
freylich yemünftiger ist, sie noch
weit öfters im Laufen und Springen
zu üben, als aber, wie in der
Stadtschule auf Burg mit ange-
henden Kaufmanna- und Hand-
werki^ungen geschiht, mit dem
Griechi8(£en in der Hoffnung der
Vergessenheit zu plagen.
^ßaebeiiklöekleiii ein Klöcklein, wel-
ches zu Basel im Sommer Abends um
10 Ohr und im Winter um 9 Uhr
geläutet wird, zum Zeichen, daß
sich alles Gesinde aus den Schenk-
häusem heimbegeben und Nie-
mand ohne Laterne über die Stra-
ßen gehen, viel weniger einigen
Muhtwillen darauf treiben solle.
Bäell n. heißt unter den Landleuten
eine Holdschaft, Buhle oder Bnh-
linn, Liebster oder Liebste, ama-
sius, procus, amasia, amicula.
Bükt! n. die Stück- oder Tragbütte
der Faßbinder.
Bändel kleiner Büntel ist ein
Scheltname junger Mägdehen. Ei-
gentlich bedeutet es eine junge
schwangere Hure, sodaß man sich
schämen sollte, denselbigen den-
noch so oft zu gebrauchen.
Biinenwisch m, ein langer Ragstock
oder eine langgestielte Rollen-
bürste^ die Spinnen an den Bünen
darmit wegzufegen. It. ein Spott-
name langgeschossener Weibsbil-
der, die darum eben nichts de»to
mehr bedeuten.
Bür^^erli Bürger aus nidrigem
Stande. Die Bilrgerli wend so
guet essen und trinken als die
Burger und husen uf den Spittel
oder ufs Zuchthus. Burger und
Bürgerli hend beide einander
nötig und sotten besser zämme-
spannen«
^^Barsanten einheimische und frem-
de Studenten, welche auf obrig-
keitliche Kosten oder aus milden.
Stiftungen mit Zimmer und Kost
versorgt werden. Dergleichen Stif-
tungen und die darzu gewidmeten
Häuser selbsten werden von den
Alten gemeiniglich Bursen ge-
nennt.
**Bnrsnieister heißt beyunsem Al-
ten ein öffentlicher Leser oder
Hochlehrer der Wissenschaften,
Professor publicus Ordinarius.
**Bfirzel m. Landseuche.
Bntzenmnmniel m. Popanz, Schreok-
männchen, Vorwand Jemand bang
zu machen. Das ist noch lange
kein Butzenmummel für mich.
Den Butzenmummel muß man
Kindern machen.
*Bytsehäppli n. ehmals eine steife
Jungfemhaube, welche sich an
beiden Ohren ein wenig heraus-
ründete und vom in der Mitte
eine kleine stumpfe Schnappe
hatte.
byzytener sagen öfters gescheide
Leute aus Unbedacht für früher,
eher, zeitlicher, citius.
*Chilpert (Landw.) für Kirchwart,
custos templi.
*Collayeni das obere, da die Bur-
santen unterhalten werden; das
untere, da die Herren Professoren
ihre Verrichtungen haben. Ordent-
lich sagt man das obere und un-
tere Collegium.
**Colleet n. die Spende, das Amt
der Spendherren.
**Col]eetherren Aufseher und Pfle-
12
fer der armen Herberge, Spend-
erren.
**Dtthem m. Aeckenmg oder Eichel-
mast, (altbasel. Sehr.). Dahem,
Dähim, Dähem, Dehem, Dihem,
Dohem kommt auch in andern
deutschen Schriften vor' und be-
deutet nicht nur den Eichelmast,
sondern auch den Mastlohn.
*damlig (Landw.) dermals, nunmehr.
**Dank m. Bedenkfrist. Einen acht-
tägigen Dank auf des Klägers
Einbringen vor Raht begehren.
In den Dank flrehen sagt man
von den Gericbtsnerren, wenn sie
von dem Gerichte aufstehen und
zur Berahtschlagung in ein son-
derbares Zimmer abtreten.
Deckbettlein hei£t in der Metzger-
spräche das Stück Fleisch hinter
demBrustkeme und vor dem so-
genannten Federstücke an dem
chsen.
*DegeI m. irdene Lampe«
'^'Deutsche m. Damm an einem Was-
ser. Einen Dentschen schlagen
aggerem struere.
"""Deputaten nennet man bej uns die
Pfleffherren und Ammväter der
Kirchen und Schulen. Nach der
Latinität der mittleren Zeiten
heißt ihr Name so viel als Send-
herren, dergleichen es noch heut-
zutage in Sachsen und Westfalen
gibt, und deren Amt ist, zu Aus-
rottung des Aberglaubens und zur
Bestranmg der gerügten Aerger-
nisse wie auch zur Aufnahme
der Kirchen und Schulen jährlich
eine oder mehrere Senden zu hal-
ten. Unter den griechischen Kai-
sern gab es auch gewisse AsicotaToo^
die aber zu geringem Yerrich-
tunffen ausgelegt waren.
Deukeler m. ein yerhudeltes Wort,
welches in dem Verwundern und
Fluchen des P5bels den Henker
oder den T. bedeuten soll.
Deykenker für Diebshenker. Wird
nur fluchaweise SJ^s>, da man
etwan lieber den T. nennte, wenn
man sich nicht scheute.
'^Diitel nu Schnür- oder Spitwn-
klöppel.
**Direetoriii]a der Kanfkannsehaft
die Herren Vorsteher der Kauf-
mannschaft. Praeses directorii
Obervorsteher der Kaufmann-
schafl;.
**Direetoriiiiii der Schafbieyeii Ober-
schafifhey.
*Dirledey m. Zeug von Lein und
Wolle. Ein altes Wörterbuch hat
dirlentey burellum.
^Disem Bisam.
*drafter, darafter (Landw.) hin und
wider, hier und da»
♦•Dreyerherren werden die drey
über den Gemeinschatz gesetzten
Herren genennt, welche noch ihre
zugeordneten Schatzherren haben.
*'*'drniigeiilieh dringentlich; instän-
dige, drungenliche Bitten preces
impensae.
♦Dunne f. Webstube, textrinum.
Alem. sonst der Tnneh oder Tunk
Webergaden, Mine, unterirdischer
Gang.
^Dnom großes, weitläuftiges Ge-
bäu. Aus Miß verstände sprechen
Einige von einem großen Hause:
es sey ein großes Tuen,
*Diiplex ein doppelter Baselplapp-
hart, Doppelschilling.
Dnrcheftngkissen n. ein langes
Kopfkissen nach der Breite des
Bettes, zum Unterschiede der
kleinem Kopfkissen.
^^Ehrsam war ehdessen der Titel
der Bürgermeister ansehnlicher
Städte, wie ehrbar der B&hte.
Heutzutage hat diser Titel die
Bedeutung gar nicht mehr, daß
man ihn gegen unserer Obrigkeit
gebrauchen sollte. Ohnedas wis-
sen unsere Schreiber dem Worte
keine Wendung zu geben.
Einback m. Einbiegung, eingebo-
gener oder eingeschlagener Sinm.
einbucken sagen unsere Nähte-
rinnen, wenn sie den Schnidt ei-
nes Zeuges einschliu^ und über-
nähen. Ifil muel den Saum
ybuckä, sonst fotzelt er us.
"^eingegessen Mnes ein ärmliches
Essen, das von einem Buchbinder-
brey in nichts unterschieden ist,
als daß man in dem Auskochen
13
etliche E jer dareinzuschlagen und
vorher den Hafen mit Butter
mehr oder weniger anzuschmieren
pfleget.
eingegrahte oder wieder eingelegte
Beben — vites stratae.
""Einguß eine Bettzieche, worein man
die Federn tuht, und die noch
mit einer feinen Oberzieche ver-
sorgt wird. Anderswo heiBt es
der Einlaß.
**Einzng nennet man die heimliche
Zuflucht, welche man Dieben,
Huren und anderm so schnöden
Gesinde in seinem Hause gibt,
der^leichen£Jm2!%er oder Einzü-
gerinnen gemeiniglich zu öffent*
Hcher EirchenbuBe und ewiger
Gefangenschaft in dem Zucht-
hause oder zu dem Staupbesen
und ewiger Landsverweisung ver-
urteilt werden.
^Engster m. enghalsige Flasche,
Bottel.
Enkel, Enkelinn heißt zu Basel,
was bey reinen Schriftstellern
Urenkel, ürenkelinn, Enkels-
kind, Enkelssohn, Enkelstoch-
ter pronepos, proneptis benennet
wird. In unserer alten Gerichts-
ordnung vom XV. Jahrhundert
werden gleichwol die Eindskin-
der EnJdin genennt.
^^Entschlachnnß Entschläg, Ent-
schlagbrief, Quittscheltung, Quitt-
brief, Ledigungsbrief, Schadlos-
brief.
entsprechen übereintreffen, zutreffen,
begegnen. Der Ausgang hat mei-
ner Hoffnung nicht entsprochen.
Ich kan seinem Begehren nicht
entsprechen. — Die Sachsen
woUeu uns dis Wort nicht gelten
lassen, wissen aber kein anders
eben so schickliches und ausdrück-
sames dargegen anzugeben.
**entunehren sagen Unverständige
für entehren, verunehren, tradu-
cere, dedecorare, inhonestare, foe-
dare aliquem appellatione.
"""^erbidmen sagte man ehmals hier
für erbeben, erzittern.
^^Erdbidem m. das Erdbeben.
**Epdlouwe f. Erdbruch, Erdfall
(Landw.)
^^Erkanntnnß ErkänntniB cognitio,
decretum, senatus consultum. '
**epklagen sich, sich beklagen. Wird
gemeiniglich in Schriften an hohe
brigkeit oder in gerichtlichen
Urkunden gebraucht.
^^erklnpfen sagte man noch im vo-
rigen Jahrhundert für erscÄrccfccw,
in Schrecken gerahten. erklupft
erschrocken.
^^ernamsen ernennen.
'''^Ernanisnng Ernennung.
**Er8Chatz Bodenschatz, Handlohn,
laudemium, was einem Gut- oder
Lehnherm bezahlt wird, so oft
das Gut die Hand verändert. Ge-
meiniglich ist es so viel, als der
Jahrzins, canon annuus, beträgt,
und halb soviel, wenn ein Gotts-
hausmann auf das Gut kömmt.
— So heißt auch das Geld, wel-
ches ein Zehndenbeständer bey
der Steigerung zur Versicherung
gibt; Haftpfenning, arrha.
**erschatzen den Erschatz bezahlen.
Ein Gut vererschatzen d. i. den
Erschatz davon erstatten.
**er8chätziges Gut, das derErschatz-
ung unterworfen ist, bonum lau-
demiale.
**er8Chrocklich erschrecklich.
**eP8igner Baum versiegener, er-
schöpfter Baum.
**erstecken für ersticken suffocare;
obschon ersticken auch sensu
neutro für suffocari gebraucht
wird. Wegen diser Zweydeutig-
keit sollten die Hochdeutschen
das Mehrwort (frequentativum
verbum) erstecken immerhin gel-
ten lassen, als welches nach aller
Sprachrichtigkeit von ersticken
wie tränken von trinken, drängen
von dringen, senken von sinken,
die Schuhe flecken von flicken u.
s. w. formirt wird.
**Ertagwan,Ertagwen,Eptagnowen
m. Fröne mit Pflögen oder Hacken
im Felde oder Weinberge; an^a-
ria in agro v. vinea. Figürlich
s£H^en die Alten auch Jemand
einen Ertagwen d. i. Eitter-
dienst thun operam suam inter-
ponere pro amico.
**Ertagwaner, Ertagnower Fröner
14
mit Aeren oder Hackeni colonus
V. subditua angariam praestans
arando v. fodiendo.
**erwiiiden aufhören, ausgeben. Man
haltet gemeinlich, die Behausung
zum Schaltenbrand habe den Na-
men bekommen, weil U J. 1417
das grewlich Feur daselbst er-
wunden (Wursteis. in ged» J.)
Die Alten gebrauchen das gleiche
Wort von den Auslaufen der FlQsse.
♦♦erzeugen generare, gignere wird
zuweilen von den Pr^igem gar
uneigentlich ffSa gebehren parere
genommen, wenn sie z. E. in den
sogenannten Personalien melden:
die und die Mutter habe in ihrer
Ehe so und so viele Kinder er-
zeugt Noch ärger verstehen es
Diejenigen,, welche in den Per-
sonalien wider alle Möglichkeit
und Natur versichern dönen: der
und der sei. Mitbruder sey den
und den Tag zugleich erzeugt
und gebohren worden. Eher
könnte man, wie die Alten ge-
than haben, das Gebehren auch
den Yätem zuschreiben.
Estrig m. heißt bey uns das oberste
Stockwerk eines Hauses, anderswo
aber der unterste gepflasterte oder
belegte Boden desselbigen.
etwelene Etliche, einige. Gehört
zum Eanzleyschimmel.
♦♦Euer Gnaden soll heißen Euere
Gnaden, Euerer oder Euem Gna-
den, je nachdem es die Verbin-
dung der Rede erfordert. **Ilire,
Ihrer oder Ihren Gnaden hingegen
soll es heißen, wenn man seine gnä-
digen Herren nicht unmittelbar
anredt.
**Euere Gnaden oder gnädiger
Herr ist der Titel, der eigentlich
einem hohen Standeshaubte ge-
boret. Die da sich lediglich des
Titels wejfser Herr bedienen,
verrahten ihre Unwissenheit oder
Grobheit, weil auch ein lediger
Gerichtsherr zuweilen allso ange-
zogen wird.
♦♦Eaer Lieb ist ein altfränkischer
Eanzelgruß an die Geliebten in
dem Herrn.
Eyer in Anken, franz. Soupe dor^,
eine Gattung trockener Eyersup-
pen. Nachdem man das Brot
darzn dünne eingeschnidten und
in der heißen Butter braun ge-
röstet, schüttet man etliche zer-
klopfte Eyer and ein wenig
Milchram oder Milch darzn, und,
damit die Suppe nicht in einen
Kuchen zusammenbacke, rühret
man Alles fleißig untereinander,
bis es gar ist. Gemeiniglich sagt
man der Eyemanken.
Eyer in einem Blättlein heißen un-
sere Köchinnen die sonst so ge-
nannten Spiegeleyer wegen ihrer
Aehnliobkeit mit den altfränki-
schen, vielängichten Spiegeln.
Faden, überhaabt gesact, bedeutet
hier nur hänfen oder flachsen
Garn.
Fahrnm m. heißt be^ den Land-
leuten um Basel wie auch sonst
in der Schweiz ein Bienenschwarm^
der sich nicht in den Korb brin-
ffen läßt^ sondern sich weit in
die Luft aufläßt und davon fliegt.
Fastenwaye eine ablängliche Fasten-
bretzel mit einem Kreuze in der
Mitte.
f&tzlen Einen, auf Jemand sticheln,
Einen aufziehen, anzügliche Breden
treiben. Wird insgemein garun-
ehrbariich gesprochen.
fechten das Maß dürrer Dinge nach
dem obrigkeitlichen Maße aichen
und rechtfertigen. Gefochtener
Sester, sefochtene Ele.
Federstncle an dem Ochsen ist
das Stück Fleisch hinter dem so-
Senannten Deckbettlein.
ervieh schlechte Schreiber,
schreibsüchtige Schmalgelehrte.
♦Fedepwoot f. Federwat, allerley
mit Federn gefülltes Bettwerk.
feißt fett, groß und dick bey Leibe.
Der Mann wird zu geschwind
feißt, das ist keine rechte Feißte,
Sonst gebraucht man dis Wort
nur von dem Vieh, fett hinge-
gen wird von Menschen und Tie-
ren gesagt.
^fertig bis anf das Weißsieden ist
eine bekannte Redensart der
Goldschmiede, wenn sie eine Ar-
15
beit von dem Hammer gefertiget
und allso beynabe yoUendet ha-
ben« In Basel gebraucht man die
gleiche Bedensart von einem ver-
armten oder verdorbenen Manne,
der wie eine fertige Arbeit näch-
stens aus dem Hause soll.
Feaertenfel eine Gattung Schwär-
mer, dergleichen die Jungen aus
einem Teige von Schielpulver,
Kalk und Speichel zu verfertigen
pflegen.
feurige Männlein Irrwische.
Ficke : das ist eine Ficke fiLr ihn,
sagt man zu Basel von Einem»
dem ein reiches Erbe zufällt oder
sonst ein unvermuhtetes Glücke
beschieden ist, wöbe j er sich treff-
lich wohl sein lä£t«
*die Finger spitzen war noch zu
unserer Müter Zeiten eine selt-
same G^bärdung ehrbarer Weiber
und Jungfrauen, wenn sie sich
vor Jemand zierten, indem sie
die Hände vom in einander schlu-
gen und die Zeigefinger unter
sich, die Daumen aber Über sich
zusammenspitzten. In Hohswar-
tens Schauspiele von Saul, wel-
ches im Jahre 1571 zu Basel auf-
geführt worden, gibt Ahinoam,
Sanis Weib, ihrer Tochter Michal,
als sie mit David getraut werden
sollte, fol^nde Lehre:
Wolan, sih das du mit geberde,
zucht, Sitten, erbarkeit für werde
gehalten werdst, das man dich lob
und sage nit, dein mueter grob
hab dich nüt glehrt; sih fein
hemider
zur erden, gaff nit hin und wider,
lauff auch nit daher wie ein roß,
es wer sonst ein bäurischer bo£.
Dein hend davom zuesammen leg,
bey leib kein finger nit beweg;
beym tisch soltu auch züchtig
mit zucht dein zarte finger
spitzen.
**fim ali fimer L^isser-Wein ein
alter Wein, der jährlich abgelas-
sen und exirischt worden.
Fischlogel ein hülzemes und gedeck-
tes Gefäße, unten weit und oben
etwas enger mit einem weiten
Schnabel, worinn man zu Basel
die Sälmlinge zu Markte bringt.
**Fiskal besser Frevelvogt So wird
er in der straßburg. Polizeyordn.
von 1628 Bits. 100 geoennt.
Flühe f. hoher gäher Fels, alpina
atque alta rupes. Sonst Fluo,
DisWort fehlet denHochdeutschen.
fdrchten fürchten. **ftircht furch-
tete.
Fotzelsehnitten Eyerschnidten.
^FotzelstrnmpfeFlockstrümpfe, Win-
terstrümpfe, die mit Flockseide
oder Wolle ansgenäht oder ge-
fütert worden.
*fi*ech wol beleibt, wol besetzt. Eine
freche Jungfer. Gottlob, er wird
alle Tage frecher,
*Freehe f. Fettigkeit des Leibes.
Er knäUt etzwey vor Freche il
cr^ve de prosp^tä.
Fressete f. heißt in der Pöbelsprache
eine jede stark besetzte oder fey-
erliche Mahlzeit.
**Freyheiten oder Freyharten hor-
renloses Gesindel, unbefehlichte
Streifer in Eriegszügen. »Allen
betrug zuo vermeiden und die er-
oberet Peut desto freuntlicher zuo
theilen, solte forthin kein Frey-
heit mehr under dem Heer ge-
litten werden, sondern ein jedes
theil dieselbigen von ihm treiben.
Eemen dann darüber Freyheiten
zuo ihnen, Vorhabens zuo plündern
oder einigs guot anzuop^reiffen, dar-
für solte man huoten imveld ord-
nen, welche, wo die solche Fry-
heiten ergriffen und umbbrech-
ten, darumb nicht gevehdet noch
gesiarafft werden sollen.« (Wurst-
eis. Chr. Bits. 451).
*fHeg fragte, intenogabam, interro-
garem.
*fi*onun, firnm seyn zu Basel nach
der gemeinen Bedensart nur
Knechte und Mägde, und zwar
wenn sie nur keine lange Finger
haben und nicht stehlen, obschon
sie im übrigen fluchen, huren
und andere solche Dinge treiben.
*firomm Härlein schlichtes und kur-
zes Har.
Fronfastenkind das auf den ersten
Tag einer Fronfaste gebohren
16
wird, soll nach dem Glauben un-
serer Weiber die Gespenster sehen.
*Fpost f. der Frost.
Fnhrlin^ ein zu der Fuhr bequemes
Weinfaß, höchstens von fünf
Säumen.
Fnlfleischli, Fanlfleisch Bücklein,
pancreas. Die Müter gebrauchen
das gleiche Wort, eio arges Mägd«
chen zu bestrafen.
Fnlket Faulheit. Die Oberländer
schreiben sogar Faulkeit
**fulklich fauler, trftger Weise,
pigre. Findet sich bey unsem
Alten.
**FünfepheiTeii quinque viri, aedi-
les; Baurichter.
Funke m. Socke, Leinschuh, Chaus-
son. Fünkli Söcklein, socculus.
fdrenste hervorstehen, d.i. sich bey
der Taufe eines Kindes als Vater
vor dem Altare darstellen.
"^fdrfaßen alte Strümpfe, d. i. einen
neuen FuB daran setzen oder
stückeln.
Fürkauf Vorkauf oder Aufkauf auf
den Mehrkauf.
FürkänflerYorkäufer, propola, ven-
ditor minutarius.
♦Fnrrezi f. Wasserfurche in den
Aeckern, lira. Furetzinen und
Gräbli machen, das Wasser dar-
durch abzuleiten. Die erste Sylbe
dises Wortes wird lang gesprochen.
**fdrtrechtig vorsichtig, fürsichtig;
providus, circumspectus (Wurst-
eis.)
Oalgenkind soll eigentlich so viel
als einen Galgenvogel bedeuten,
ist aber zuweilen nur einScherz-
und Schmeichelname loser Mägd-
chen und Bübchen. So gar kan
sich ein Eleinmeister nicht wenig
darauf einbilden, wenn ihn seine
Schöne dessen nur würdigen will.
"^gängerlen Jemand, einen unge-
horsamen Bürger in die Gewahr-
same führen.
den Gängler finden sagt man von
Lehrmägdehen, welche sich in
einem verworrenen Strickwerke
wieder zurechthelfen. It. figür-
lich von Jemand, der eine Aus-
kunft in schwären Geschäften fin-
det. Eigentlich heifit Gängler
derjenige Faden in einem Strange
Garn, von welchem an man bis
zum Ende oder doch sehr weit
ohne Verwirrung forthaspeln und
abwinden kan.
'^'Gangnierno (Gehmimach) d.i. ein
Liebesbissen oder Liebestrank,
philtrum. Sie hettemGangmerno
ygä sie hat ihn mit einem Zau-
berluder angelockt, philtro ines-
cavit V. allexit amasium.
gänserig werden sagt man, wenn
einem die Haut vor Frost wie
eine geropfte Gans aussiht. Ein
Hochdeutscher würde dardurch
einen jungen Kitzel verstehen.
Man heifit es auch gänslig dry-
See (dreinsehen).
*Gän8kl8cklein für Gangs- oder
Gehnsklöcklein. So nennet man
zu Riehen, eine Stunde weit von
Basel, ein Klöcklein, welches des
Abends zur Zeit geläutet wird,
da ein Fufigänger noch eben recht
in die Stadt kommen kan.
*Garien sagen die Bauern für Gre-
gorius.
Gassenbesetzer Pflasterer, straturae
artifex.
*Gast verkürzt für Arbogast. bt
der Taufname vieler Bauern in
dem Basel gebiete*
'''gästeln viele Gastungen und
Schmause anstellen.
"^das Gasthütlein einem abziehen
heifit, die Höflichkeit gegen Je-
mand, der sie wie ein unver-
schämter Gast mifibraucht, bey
Seite setzen. Wenn Jemand ein
funkelneues Kleid oder derglei-
chen dergestalt verderbt, dafi man
keine Neuigkeit mehr daran er-
kennet, so heifit es auch, man
habe dem Erleid den Gasthut ab-
gezogen.
Gatze f. Geize am Pfluge, buris.
Gätzi n. kupferne Wasserschufe.
ins Gän fahren Einem, Jemand in
das Land fallen, sagt man, wenn
man die Gränzen seines Rechtes
überfährt und seinem Nebenmen-
sehen irgend eingreifet.
^^Gefänknnfi Gefängnifi.
17
Gefechte n« dasAichen oder Recht-
fertigen der Maße dürrer Dinge.
Gefliigel junffes Frauenzimmer von
mittlerer Bedeutung.
^geführt werden sagt man von Hu-
ren und fihbrechem, welche ne-
ben andern Strafen leiden müssen,
daß sie von dem Ehgerichtsbüttel
mit aufgehabenem Stabe durch
gewisse Straßen und sonderlich
auf die Beinbrücke bis zur Ka-
pelle, über deren Tühre ehmals
ein schändliches Hurenwapen ein-
gehauen gewesen, zu öffentlichem
Gespötte herumgeführt werden.
Dise Strafe nennet man gemei-
niglich kurzweg^ führen,
/^ebahen heißt ein Teig, wenn er
von dem Hefel aufgegangen ist.
gehebt gehalten. I lui mi an ihm
gheht, sonst war igfallä. Eshet
nur an dir ghebt, sonst war die
Sach grotä (gerahten).
geigen : wenn Jemand gar zu viele
&inneruogen macht, wie er einen
Vertrag oder eine Schrift wolle
eingerichtet wissen, so erhohlet
er zuweilen die Antwort: Jo du
Narr, mä wird dirs gygä. Dahin-
gegen man von Dingen, die in's
Aui<e fallen sollen, bei gleichem
Anlasse zu sagen pflegt: Mä wird
dirs molä.
*die Geiß anbinden. Wenn Jemand
in einer Gesellschaft zu viel ist,
und man ihm ein erdichtetes Ge-
schäfte aufgibt, damit er aus den
Füßen komme, so heißt es: man
schiclie ihn, die Geiß anzubinden*
""gelbe Fron die bei der Hochzeit
der Muter Stelle vertritt und vor
Andern in güldenem Schmucke
erscheinet
""^Geliger n. Lager, Bette. Faules
Geliger in einem Keller, worauf
kein Faß mehr sicher ist. Hartes
Geliger auf dem Stroh. Lang-
würiges Geliger oder Kranken-
bette.
'"'"Gemachte n. oder die Gemacht-
nuß letste Willensordnong, Erb-
satz, Erbflchrifb, Yermächtnuß,
testamentum. It. Erbbescheid,
legatum. (Alte GO.)
**Geminde, Gemttnd, Gmünd n.
Handbreite, vier Finger höh« In
diser Bedeutung kömmt das Wort
in der Froschoweriscben Bibel II B.
M. XXV 25 und XXVIII 12 vor.
Hingegen in alten Wörterbüchern
aus dem XVI. Jahrhundert heißt
es bald eine Spanne extensio ma-
nus, bald eine Ele ulna. In ei-
nem Fünferurteile von 1406, wel-
ches dem damaligen Besitzer des
hiesigen Hauses zum Sessel gege-
ben ward, wurden ihm in dem
Höflein gegen der Schneiderga^e
Lichter der Fenster erlaubt ein»
gevnündes wit, mit isen ver-
getteret
genossen für geniest, stemutavit.
Denn niesen stemutare ist ein
gleiohflüssiges Zeitwort (verbum
analogum) und unterschieden von
nießen oder genießen frui, wel-
ches Zeitwort ungleichfließend
(anomalum) ist.
Gepse f. flaches hölzernes Geschirr,
worinnen man die Milch aufbe-
hält.
*Geren m. Schooß; Tiefung, die
man mit den Vorderflügeln des
Kleides macht, um Etwas aufzu-
fangen; pfremium, nidus vestis.
**Gerrendlin heißt in der hiesigen
Sturmordnung von 1549 die Kriegs-
fahne einer jeden Zunft.
gerieft, grieft gerufen. Inf. riefen
(rüefen).
Gertel, m. Gertmesser, Hagmesser;
falx arborea, putatoria.
*Geriimpel heißt auch ein gemäng-
tes Geköche von dürren Schnitzen,
Quetschen, Pflaumen u. dgl.
**Ge8eheidherren Gränzscheider,ün-
tergän^er, finitores. Sie richten
über die vor der Stadt wegen der
Güter, Marken und Zäune entste-
henden Streitigkeiten und über
die daselbst vorgehenden Frevel.
In der mehrem Stadt Basel wird
der oberste Glescheidherr, der ein
Glid des kleinen Bahtes ist, Ge-
scheidmeyer genennt.
♦♦Geschipp nennten unsere Alten
das Geburtsglid. Die Brueder
DichtUn (Zwitter) haben beide
gschirr und machent eins umb
18
das ander (deui. Lykost* von
Wundem).
Cfeschliider n« Schmierwerk« Was
er schreibet, ist nur ein GescMil-
der. It. schmieriges Zeug. Die
MetBger sollen kein Geschlüder
Yon Beinen, Därmen und anderem
Ohnrath in die Wage legen.
(Metzgermand. von 1692)*
Cfespan m. Schulfreund oder Schul-
freund inn, Nebengeselle, Spiel-
freund. Gespänle kleiner Schul-
geselle, Kinder aus Einer Schule
oder Nachbarschaft. Gespanhei&t
bej den Bauern auch ein Pferd
oder Bind, das mit einem andern
eingespannt wird« Wenn zu ei-
nem Dutzet Theeschalen, Gläsern,
Messern u. dgl. ein Stück fehlet,
80 heißt es ebenso: Es fehle der
Gespan darzu. Dergleichen sagt
man es von Dingen, die entparet
werden.
Gesuchte rheumatismus, artuum do-
lor. Die Basler brauchen auch
die Mehrzahl Gesuchter,
^^gevSlgig folgsam, folgfertig, sequi
paratus. Den Hauptleuten ge-
wertig, gehorsam und gevölgig
sein (alte Sturmord.).
^^Gewandinaiiii Tuchhändler.
♦geweben oder gewoben gewebt,
textus, textilis.
Ghnet (Gehüte) Hut, eine HerdeVieh,
das man hütet.
**giehtige]i einen üebelthäter, d. i.
bekennen machen, foltern.
**6ies8eii m. torrens. Bey den Al-
ten heißt es auch der Austritt
eines Flusses, da er einen Arm
macht.
'"'''Gil m. Bettler, mendicus. (altes
Mandat).
glersig gelehrig, gelehrsam; docilis.
gleseht Oschirr geglästetes oder
glästiges Geschirre.
Gliby f. der Name eines Schlößchens
an dem Beine unter dem mindern
Basel, wofür yon einigen über-
witzigen Schriftlingen der Name
Klippech erdacht worden . . .
AUso mag der Name Gliby, wie
er noch immer von Jederman n aus-
gesprochen wird, auch in Schrif-
ten beybehalten werden; denn
wenn Klippeck die rechte Be-
nennung wäre, so würde man
nach unserer Mundart der Klipp-
eck und nicht die Klippeck sagen
müssen. Zu geschweigen, daß
weder Ecke noch Klippe daselbst
zu sehen ist, womit man den lei-
sten Namen rechtfertigen könnte.
sein Gluck machen heißt bey dem
gemeinen Volke: ein Hauskreuz
nemen./
**glnnken, glunggen läuten, Sig-
num campana dare. Wann man
mit den Bathsgloggen stürmbt,
das bedeutet Feiendsnoth. So
man aber in Kilchspelen mit an-
dern gloggen stürmbt und glun-
gget, das bedeut Fewrsnoth.
Stürmbt man aber mit derBabst-
gloggen im Münster, so bedeut
esWassersnoth. (BaseLSturmordn.
von 1549).
Glast m. die Lust, Begihrde, Ver-
langen, Lüsternheit. Das Kind
het en Ammool vonneme Glust
siner Mueter.
*Goekelhanbe war zu unserer Müter
Zeiten noch eine auf beiden Sei-
ten an den Ohren eyründlich her-
ausstehende und mit stumpfen
Ecken auf derStime und beider*
seits steif geschlossene Frauen-
haube.
"''goldf^omm, vor welchen man alles
Gold und Geld, ohne einige un-
treue zu besorgen, darf ligen
lassen.
^Goidsehlaher Goldschläger, brac-
teator.
Gossete f. Gousset, Rautenstück oder
ünterachselstück an einem Hemd-
ärmel.
^^Gotteshäuser nennet man nach
dem Gebrauche unserer Alten
Bistümer, Klöster und Tempel.
Aber das ist tumm, wenn Einige
das Zuchthaus zu Basel, weil es
ehmals eine Kartaus gewesen,
noch immer ein Gottshaus nen-
nen wollen. Warum denn nicht
auch das Komhaas, St. Albans
Kloster, den Hof zu St« Klara
u. dergl. Häuser daselbst?
gottlos Stück Fleisch ist ein Schelt-
name leichtfertiger Töchter oder
19
Mägde, zuweilen aach ein Schmei-
chelname schalkhafter Mä^dchen.
*6ott mir spricht, Gott mir ehit
(eine Gattung Zwischenwörtchen,
was Dunkles oder übel Verstan-
denes zu erklären): das will so
viel sagen als . •
**Oottszieraiigeii Auszierungeo und
Gebräuche bey feyerlichem Got-
tesdienste« (alte Grabord.)
♦♦Gras für Vorstadt, bey den Alten.
Grasbürger Vorstädter. Daher
mag es kommen, daß man ge-
wisse Kinder, welche man samt
den Eltern verachten und von den
Städtern unterscheiden will, Gras-
affen EU nennen pfleget.
♦grätet Tuch unredliches Tuch, wel-
ches zur Warnung der Käufer von
den Schauherren geschrenzt wor-
den.
Gränseler, Grttslieher ein köstlicher
Weinapfel, dessen kalter, säuer-
licher Anbiß ein kleines Schau-
em oder Gräuselen verursachet,
daher auch vermuhtlich dessen
Benennung kömmt.
Gries n. das letste Mahl nach dem
Bollmähl, Grütze, crimnum.
gritzen Kleinigkeiten oder Klitter-
schulden mit einander berechnen.
Er het alle Märttag mit den Bu-
ren z'gritzen.
♦grobe Fragen die einföltigsten, mit
froherer Schrift unterschiedenen
ragen und Antworten in den ge-
druckten Fragbüchem und Glau-
bensunterrichten fürKinder. grobe
Fragen nennet man auch im
Scherze gewisse plumpe und un-
gestümme Fragen, die mancher
Mann nicht beantworten könnte.
♦j^rotten eine öftere kleine Wasche
halten wie Leute, die mit keinem
übrigen weißen Gezeuge ver-
sehen seyn.
grözter Hanf gerößter Hanf, can-
nabis fuviata«
|p*ün nennen unsere Becker einen
Teig, der nicht genug gehaben
oder gegangen ist.
Ortttli n. kleines Neureut oder aus-
gereutetes Stück Landes*
♦grüiiehteSehaeh gerauchte Schuhe,
Leidschnhe, sonlierB bronz^»
*6agel m. Spitzhut unserer Beamten
in beiden Städten.
*gttldene Hanken ein sehr niedliches
Gebäcke von feinem Semmelmähl,
gestoßenen Mandeln, Zucker, Zim-
met und Zitronaten, welches alles
unter einander gewirket, in einer
gewissen Form wie Hohlziegel ge-
haltet und in Butter ausgebacken
wird.
Gnmper ein deutscher Tanz, Bauem-
tanz.
*gnrlen sagt man von Solchen, die
man französisch, welsch oderPa-
tois mit einander reden höret und
nicht verstehet.
Gntter, Gutterä f* große gläserne
Bauchflasche, ampulla vitrea.
Branntweingutter, Dintengutter,
Essiggutter: lauter Flaschen mit
einem Gießschnabel. — Gutter
ist auch ein Spottname ^wisser
Weibsbilder, die an kneipichter
Leibsgestalt eine Bauclmasche
beschämen sollten.
**gyren werfen zum Raube aus-
werfen, wie die **Grielgelder
missilia.
Haberräf n. Habersense, merga,
falx avenaria.
*Habit n. Faltenrock eines Bahts-
herm, Professors oder Predigers.
Hafenbraten ein gehacktes Essen
von übrig gebliebenem Braten u.
dgl., minutal. Die Alten nennten
es In^eslachti.
Hafenkäs allerhand Käsbrocken, die
man in einen Topf zusammenlog
und, nachdem man sie mit Wem
begossen, auf einander faulen läßt;
tvrotarichus.
Häfeli: um ein alt Häfeli ein neu
Tüpfi kaufen sagt man von jun-
gen Wittwen alter und reicher
S^mer, aus deren Verlassenschaft
sie die Mittel ziehen, die Nach-
folger nach Wunsche zu erwählen.
Häfeuschnel Kinderschule. Holl.
Kakschool. Häfelischuelbäsi die
eine Kinderschule hält.
Hagil : Er wird ankommen wie der
Hagel in die Stoppeln ist eine
leichtfertige Redensart des Pöbels,
wenn man von Jemand redt, der
20
nicht findet, was er suclit, oder
der gar mit einem blauen Auge
abziehen mnB.
Hahne m. Faßkran, epistomium. Es
ist Backen (mucor) am Hahnen.
Das Beiberlein am Hahnen. Der
Hahnen ist zugefroren.
"^Hakensehützen nennet man bej uns
die Schmalgelehrten und die Ge-
ringem aus jedem Stande.
Halber m. Spreusack* (Ist ein
Landw.).
Halm m. hölzerner Stiel an einem
eisernen Werkzeuge, wie an einer
Axt, capulum. (Ist ein Land-
wort).
^Halseisen Branger, Kack, Staup-
säule; numellae, palus infamis.
Einen Dieb an das Halseisen
stellen.
'''hänen disseits, eis, citra. Hänet
dem Bin disseits des Beines.
Hänemer disseitige nennen sich
die Eleinbasler in Ansehung der
Großbasier, und dise hinwider
in Ansehung der Erstem.
Häre f . Yogelstrick. Einem in die
Häre laufen d. i. Einem in den
Fang laufen und eben recht zur
Strafe kommen«
**har8eUich ernstlich, streng. Eine
harschliche Stimme; ein harsch-
licher Mann; ein harschliches
Meisterweib, regina.
"^^Hartknecht Forstknecht.
'*''*'HartYOgt Forstknecht, Holzbann-
wart ; Beamter, der das Anschlag-
beil führet.
'^'Harzkiiolleii nennet man in der
Schule auf Burg die Schüler,
welche man bej den jährlichen
Beförderangen in eine höhere
Ordnung unter den untüchtigen
sitzen läBt.
**Haabtkaiiiie heißt in den alten
Ordnungen zu Basel und zu
Straßburg ein beständiger Wein-
schenke, der seinen Gästen zu-
gleich eine Mahlzeit zurüsten, sie
aber nicht über Nacht beherber-
gen darf.
hanen heißt in der Schalsprache
mit der Buhten dermaßen züch-
tigen, daß die rohte iBrühe nach-
lauft Ist wichtiger als faulen
d. i« 80 züchtiffen, daß der Leib
daryon zündroht wird.
'''Haasehre nennen unsere alten
Männer noch ein frommes und
liebes Ehweib.
^'''Haasfeiirer nennte man ehdessen
diejenigen Becker zu Basel, wel-
che in der Stadt selbsten wohn-
ten und den Bürgern ihr Haus-
brot zu backen, darbey aber nur
schwarzes Brot zu verkaufen
pflegten, zum unterschiede der-
jenigen Becker, welche in den
vorstftdten oder in der kleinen
Stadt wohnten und nur weißes
Brot verkauften«
Hanshälterlein ein kleiner Ansatz
von Blech oder Eisen mit drei
Spitzen, welchen man auf einem
Lichtstooke befestigt, die Kerzen-
stümpfen, welche in der Hülse
nicht mehr brennen mögen, dar-
auf zu stecken und vollends aus-
zubrennen. Wird auch ein Pro-
fitlein benennt.
HansknecEt Keller (sie) in einem
Wirtshause.
'^'^Haiifllohii ist ein Gefälle in Fmcht,
welches von einem jeden Sacke,
der im Komhause verkauft wird,
dem Schaffner desselbigen muß
gelifert, von disem aber verkauft
und der Obri^eit verrechnet
werden. Diser Hauslohn beträgt
ungefähr einen halben Becher.
''''''Hansmeister werden in der min-
dern Stadt Basel die obersten
Herren Meister in den drey Ehren-
gesellschaften genannt.
"'Hanssehlitten leichte Schlichten
oder Wülste, deren man sich zu
einer kurzen Lustfahrt auf der
Schneebahn bedienet. Sie seyn
. gemeiniglich mit einem ausge-
schnidtenen Bilde geziert.
Hebe f. der Hefel oder Sauerteig,
fermentum.
*HechelgankeI f. vermumter Fas-
nachtoiarr. Heißt nach demBuch-
staben ein räuberischer Gaukler,
von hechen, hecken, anhäkeln,
weil sich dergleichen Bursche
ehmals die Freyheit angemaßt,
Qbst, Wecken u. dgl., wo sie
darzn kamen, wegzuschnappen.
ii
Belli bieten silentia jubere, wird
gesagt, wenn eine Rahtshandlung
^ebeim bleiben soll.
Heikel pöbelhaft für Heinrich.
Heikeil ein Bübchen dises Na-
mens.
**der helBe Stein hei£t bey uns
der große platte Stein vor dem
Halseisen, worauf die Läster-
schriften verbrannt werden und
zuweilen die üebeltähter nach
dem Brangerstande noch eine
Strafe ausstehen müssen. Ein
solcher heißer Stein ist auch in
der mindern Stadt zwischen dem
Bichthause und der Metzgerbank
zu sehen. Er hat aber die Bedeu-
tung längst verloren.
Helgen Heilige, Bilder - Heiligen,
und überhaubt allerlej gedruckte
oder gezeichnete Floren von
Menschen, Tieren undGewächsen.
Ein Gelehrter, der nur die Hel-
gen in den Büchern beschaut.
Viele gedruckte Helden und
Gelehrte sind ledige Helgen für
Kinder,
*he\y Wog (heilig Wag) heiliges
Wasser: ist ein eigenes eingebil-
detes Weih- und Segenwasser viel
abergläubischer Landleute in dem
Kanton Basel. Sie pflegen näm-
lich an dem Morgen des Christ-
festes, alldieweil die Glocke den
anbrechenden Tag oder die Bet-
zeit ankündiget, ihr Vieh zu
tränken, und in jedem Hause der-
selben findet sich Jemand an dem
Brunnen ein, der unter dem
Schalle der Prühglocke das hely
Wog hohlen muß. Ein Anderer
stehet inzwischen an der Tühre
inner dem Hause, wartet auf die
Person, die dasselbige herbringt,
läßt sie erstlich anklopfen und
fragt sie dann, was sie trage.
Darauf lautet die Antwort:
hely Wog,
Gottes Gobj
Glück in's Hus
und Unglück drus.
Darmit wird die Tühre geöffnet
und der Träger des gesegneten
Wassers hineingelassen. Disem
heiligen Wage schreiben unsere
Bauern wie auch viele fiauem
in dem Breisgau eine sonderbare
Kraft zu, alles Unheil aus dem
Hause zu verbannen und lauter
Segen darein zu bringen. Solchem
Aberglauben nach Möglichkeit
zu steuern, ist an einigen Orten
unserer Landschaft dem Klöckner
untersagt worden, die Frühklocke
an dem Christfeste mehr anzu-
ziehen. Wer weiß, ob nicht vor-
gedachte Brünne des Baselgebie-
tes und Schwarzwaldes so manche
Taufbrünne gewesen, welchen
man bei fortwährendem Aber-
glauben um so viel eher eine
Heilkraft zugeschrieben, weil man
in den ersten christlichen Zeiten
lange geglaubt, daß das Tauf-
wasser beides die Krankheit der
Seele und des Leibes hinweg-
neme, so gar, daß auch ^roße
Herren ihre Taufe bis auf ein
Krankenlager verspahrt haben.
Einmal wüßte man keine bessere
Ursache anzuführen, warum ei-
nige Wasser unsers Landes vor
andern heilig genennt und für
heilkräftig geachtet werden, als
daß eine heilige Verrichtung, wie
die Taufe, elmials darbey möchte
vorgegangen seyn.
*Hermlem kleiner Bock. HermH-
butsch Böckleinstoßen, ist ein
bekanntes Spiel unter den Eändem
zu Basel.
^Herrenvogel Häher, Hätzei, garrn-
lus. Anderswo nennet man also
einen Falken,
♦♦Hepzensbrast m. crövecoeur. Von
bersten, crepare, difßndi. Den
Hochdeutschen fehlt dis Wort.
Henwetternebel oder trockener
Nebel nennen unsere Landleute
die dünnen weißen Wolken, die
in dem Sonmier leicht auffahren
und schönes Wetter anzeigen.
*Himmelbrot ein gepreßtes Brot,
welches aus einem Gemänge von
Nußkemen,gekochtenBimhutzeln
und gebrosamter Semmel bereitet
wird.
^Himnielze f. der Himmel über einem
Bette, conopeum.
binden vornen weder hSher sagt
22
man für hinten b($her als vorn,
wenn man ein sonderbares Buckel«
gewäcbse beschreiben will.
Hindergrät Hintergerähie, Hinter-
zeug, Schwanzrieme, postilena.
Hobelspäne ein dünnes und nied-
liches Gebäcke von Eyerweiß,
Zucker und Mandeln, wie Hobel-
späne gestaltet.
Hoehfüßlein gläserner Spitzkelch.
**hochffeacht ein Titel hoher Gli-
der des innem oder kleinen Rah-
tes. Seyn es hochverdiente Män-
ner oder sogenannte Yiri consu-
lares, so gehöret ihnen auch nach
der heutigen Schreibart das
**Wolgehohren,
'*'*hoehgelehrt nennet man einen Doc •
torem, Professorem, Pastorem und
Yirum clarissimum oder Lehrer
derWeltweysheit, der mit seiner
Feder schon einen Namen erwor-
ben. **wolgelehrt nennet man
einen jeden Magister und Land-
pfarrer, der sich nicht sonderlich
hervortuhn will, »höh- und wol-
gelehrt^ ist unschicklich gesagt.
'^'''Uoehkanzler keiserlicher Kanzler,
(alt. Eanzleyschr.)
♦♦hochloWich hochlöblich.
*Hochraiii Furchrain, das erhabene
Erdreich zwischen zwo Furchen«
'*'*Hochrente oder Reute heißt in
unserm Gebiete ein ausgerodeter
Ort oder Neubruch in einem
Hochwalde oder obrigkeitlichen
Walde.
^hochstndirt, hochgstudiert hoch-
gelehrt. Eine hochstudirte Predig
eine verstiegene , unerbauliche
Eanzelrede.
♦♦Hochwald ein verbotener obrig-
keitlicher Wald.
**hochweyse, Hochweysheit gehö-
ret zu dem vollständigen Titel
eines Haubtes unsers Freystandes.
Hochwolgebohrner, Hochweyser,
Gnädiger Herr. Euere (Euerer)
Hochwolgebohren Hochweysheit,
und Gnaden. Oder kürzer: Euere
Gnaden^GnädigerHerr. Franz.Mon*
seigneur,Excellence. In dermebrem
Zahl: Euere Hochwolgebohren,
Hochweysheiten und Gnaden.
♦♦hoebwofehpwüpdig, Hochwolehr-
würde ist der eigentliche Titel
eines Helfers bey einer Stadt-
kirche, wie auch des Oberhelfers,
deß^leichen eines Oberalten oder
Senioris unter den Herren Pfar-
rern auf der Landschaft.
**hochwttrdig, Hochwürde ist der
gebürende Titel eines obersten
Pfarrers wie auch eines Decani
oder Haubtes des gottsgelehrten
Ordens bey der hohen Schule.
hSckeln mit Nüssen spielen, wie
die Jungen, welche deren vier
aufeinander setzen und mit einer
sch'^ären NuB^ welche sie den
Böler nennen, darauf werfen.
^hofen (Landw.) das Hochzeitsfest
begehen.
höffertiff seyn sa^ man von einer
Jungfer, die ein Kind aus der
Taufe hebet oder eine Hochzeit
zieren hilft. Wenn das Wort
disen Verstand hat, so ist der
Laut auf der ersten Sylbe. Soll
e^saber soviel als «^o{« bedeuten,
so heißt es höffdrtig mit einem
hellen Langlaute in der Mitte.
♦*hebedel ein Titel ansehenlicher
Glider des großen Rahtes wie
auch vortrefflicher Künstler. Seyn
es versuchte Kriegsleute, so hei-
ßen sie hohedelfest oder hohedel
und nohtfest Man schreibet
auch an eine ansehenliche Mit-
bürgerinn hochedle Gönnerinn.
*Jwh- und woledeU will nichts
sagen, wenn nur Eine Person
darmit gemeynt ist.
''''^'hohedelgebolureii ist in Deutsch-
land der gewöhnliche Titel der
Hochlehrer oder Professoren der
Rechte, derArzneyund derWelt-
weysheit, wie auch unserer Stats-
glider aus dem Herrenstande und
der obem Kanzleybeamten, son-
derlich wenn sie zugleich Docto-
res und Licentiati seyn.
**hohehre]ider Herr ist lächerlich
gesagt für hochgeehrter Herr.
Benn der Hohehrende ist nicht
der, welchen man anredt, sondern
der Anredende.
•*hohehrwlirdig, Hohehrwürde ist
der gebürende Titel eines Haubt-
oder 0beq[)farrer8, wie auch eines
23
Professors in der Gottsgelehrtheit,
deßgleichen eines Dekans auf der
Landschaft.
'^^hoherfahren oder hochgelehrt
wird ein Doctor und Professor
Medicinae betitelt Man pfleget
auch das hohedelgebohren vor-
zusetzen, wenn man an einen
Professoren! schreibet.
**hoherleaehtet und hochgelehrt
wird ein Hochlehrer der Rechte
betitelt, da man zugleich das hoh-
edelgebohren vorzusetzen pfleget.
*H$b]ie f. Entrüstung, Zorn, indi-
gnatio, ira. Wird zu Basel nur
im Scherze, in der übrigen Schweiz
aber im bitteren Ernste gebraucht.
*hölder Einem seyn als Andern für
holder.
*H911e nennet man hier das geheime
Mittelfach an einem beschlüssigen
und aas etlichen Reihen von
Schubladen bestehenden Schreib-
tische.
*H811küclileiii Geschenke, die ein
Richter oder Beamter wider Eid,
Ehre und Gewissen annimmt.
Hopper m. deutscher Tanz, oder
ungeschickter springender Tanz
ohne Schlag und Maß.
^hiSren sagen unsere Landleutc, wie
die übrigen Schweizer, für zuge-
hören, pertinere; zuweilen auch
für gehorchen, obedire.
^Hornaffen FemterzwickeL
hoschen anklopfen. Hoscheho ist
das Rufen vor einer Tühre ohne
Klopfer oder Schelle, damit Je-
mand vom Hause herbejkomme
und Gehöre gebe. DenHoscheho
fleißig vor der Tühre haben d.i«
von den Gläubigem streng ge-
mahnt werden.
**Hoseii (altes Wort) für Strümpfe,
In einer alten Zunftordnung aus
dem 15. Jh« wird geboten, daß
bey den Begräbnissen kein Zunft-
bruder ohne Hosen, d.i. barfuß,
erscheinen solle.
*Ho8enkocher Eleiderkrämpler, Alt-
reiß, Altbutzer; scrutanus, vete-
ramentarius.
* Hosenlismer Strumpfstricker,
Strumpfweber, sonderlich der mit
grober Waare handelt«
Hosensackriemen nennen unsere
Metzger ein Stück Fleisch hinten
an dem Yorderbuge dos Ochsen.
♦♦httffelig fröhlich.
Hälldß für Hunde, canes. Fründwie
Hund Freunde wie Hunde.
Hnnd auch Jochstößel, Bätze, Ram-
me; fistuca.
Hund der gröste Darm eines Schweins.
Spottsweise sagt man den Hund
füllen sich voll fressen, sich
sacken.
Hnndsgeiff e ein unvernünftiger Spott-
name mr Mägdchen, der ^leich-
wol mancher Muter, die sich zu
den ehrbarsten Weibern zählet,
zu entwischen pfleget.
*Hnnk f. kleiner Winkel. In einem
solchen Winkel ligt zu Basel das
■ sogenannte Haus im HunkelL
Hurenfosll n. junges Hürchen. Ist
gleichwol ein gemeiner Scherz-
name, den die Müter ihren Töch-
terchen vor ehrlichen Zeugen
geben.
HnrenlScklein nennte man noch zu
unsem Zeiten die Stimlöcklein
der Handwerks&auen oder -Töch-
ter, alldieweil ander Frauenzim-
mer nur darum, daß es sich vor-
nemer schätzte, dieselbigen un-
schuldig zu tra^n pflegte.
*Huren8e1ienkellem ein Gebäcke
in Gestalt kleiner Lackstängel,
wozu der Teig von Semmelmähl,
Eyer, Butter und Zucker bereitet
wird. Wer günstig reden will,
nennet sie Ehrenpreis,
*das Hiitlein trillen zu Gevatem
bitten. Die Redensart ist von
den Bauern entlehnt, welche bey
dergleichen Verrichtungen vor
Aengsten den Hut herumzudrehen
pflegen.
Hutzigyre m. heißt bey den Bau«
em ein Fasnachtsbutz, der sich
in einen wilden Vogel, als in ei-
nen Greifen, Raben u. dgl. ver-
kleidet und sich in diser Ge-
stalt die Freyheit gibt, allerhand
Eßwaaren zu erschnappen.
*Jane m. ein Sonderstück oder
Schmalteil eines Rebbergs, der in
dem Herbste in gewisse Janen
u
abgeteilt wird, woTOn eine Anzahl
Arbeiter disen Janen, eine andere
Anzahl einen andern Janen ab-
herbsten muß. Sie ist aus dem
Janen, sie taugt nicht mehr in
Herbst, sagt man von einerFraaen,
die sich in der Bahel Weise nicht
mehr finden kan«
jaadlen tauschen, verkehren und
wuchern wie die Juden.
jeweilig jedesmalig. Jeweiliger
Landvogt. Auf jeweiliges An-
suchen. Man verwuntiert sich
billig, daß auch Solche, die
jeweilen bestellt seyn, vor An-
dern rein za schreiben, derglei-
chen alemannische ünzierden noch
in ihre Schriften mängen.
**jewe8end jedesmalig, der jeza-
zeiten ist oder ein Amt bekleidet.
Ein Exempel darvon s. in der
hies. Sturmord, von 1686. Dises
Wort hätte man anstatt des un-
deutschen Wortes jeweilig bey-
behalten sollen.
^Immentrost Honi^aben.
^'''iiiiinerhin ist eigentlich das lat.
ilicet. Es gebrauchens aber die
Bedner und Schreiber zu Basel
für immerzu, allezeit.
-is ist eine gewöhnliche Endung in
der Baslersprache, etwas Spötti-
sches oderVerhaßtes auszudrücken;
z. E. in Bachis, Binkis, Bschorifi,
Dukis, Eaperukis, Bupis und
Dupis u. dgl.
Jnnte f. Weiberrock. Den Namen
empfieng dise Kleidung, als man
sie noch mit vielen kleinen Pal-
ten verfertigte. Bey veränderter
Mode währet derselbige dennoch
fort.
Kachelmnes ein gewisser Brey von
feinem Mahl, Milch und Eyem
und mit Zocker bestreut.
Kämmerlein nennet man hier einen
gemieteten Ort, da sich des Abends
eine erlesene Gesellschaft bey ei-
ner Pfeife Taback auf ein Ge-
spräche versammelt*
*auf die Kanzel studiren sich dem
Predigtamte widmen, der Gottes-
gelehrtheit obligen.
Karfunkel m. Giftbeule, carbuncu-
lu8. Zu Basel heißt also eind
jede von Flüssen entstehende Ge-
schwulst oder Entzündung, lavr
f ender Karfunkel ein unstetes
Gesuchte.
*Kfiafler heißt zu Basel der Gant-
meister. Anderswo heißt Käufler
ein Kleiderkrämer, Altbüßer,
Trödelmann.
Känflerinn eine Frau, die allerley
Kleider, Tuch, Kleinodien und Ge-
rähte zum Verkaufe in die Häuser
bringet.
Kemenmfihl Kemmähl, das Mittel-
mahl zwischen dem Semmelmähl
und BoUmähl.
Kett n. das rechte, inwendige Holz
der Bäume, caro li^i. Auf das
Kett folget der Spint d. i. der
waiche und weiße Teil des
Holzes.
Kilbi f. Kirchmesse, Kirchweihe. It.
eine Lustbarkeit. Sy Kilbi mit
Eim ha Jemand zum Besten
haben, sein Spiel mit ihm treiben.
*Kilehensehltt88el der der Erste und
Letste in allen Predigten ist; con-
cionalis senex v. vetula.
ein Kind heben d. i. aus der Taufe
heben, zu Gtovatem stehen. Bruut
und Brykum (Bräutigam) hend
ä Kind mitenander ghebt.
Kindlein der geringe und kurze
Hanf, der zum Ertrage in die
Docken eingelegt wird.
*Kinggerte f. Königsgerte, Kern-
gerte, Bein- oder Mundholz, Bein-
weide; ligustrum.
Kirchmayer Kirchschafiber; Ver-
walter des Kiichengutes in einem
Dorfe.
*Kläffler Klappermann, der mit der
Klapper von Hause zu Hause das
Almosen für die Kirchen ein-
sammelt.
"""Klägde f. schreiben noch unsere
Gelehrten für Klage.
*Kleibener Hafner, Töpfer.
klenken heißt man auf den Dörfern
das letste Zeichen zum Gottes-
dienste läuten, klenken bedeutet
auch in den Klöstern so viel als
zur Andacht läuten.
*an den Klopfer stellen wird ge-
sagt, wenn man ein Frauen-
26
zimmer, welchem man bey einer
Gesellschaft aufgewartet, des
Abends bis an dessen Wohnung
begleitet, ohne sich weiters dar-
mit bemühen zu dörfen.
Kliipfel m. einbölzer- oder eiserner
runder Hammer der Bildschnitzer
und Steinmetzen, womit sie auf
den Meißel schlagen.
Knechtlein der Schieber in einem
Lichtstocke, die Kerze darmit
auf- und niderzulassen ; Licht-
schieber.
''"Knöpfleiniaejel ein gewisses knöpfi-
ges Trinkglas.
kochen sagen unsere Landleute sehr
ausdrücksam von einem Wetter,
wenn sieb ein gräßliches Ge wölke
zusammenziehet und einen gefähr-
lichen Ausbruch drohet.
"^Kopfhänni Babenstein.
Korn nennet man zu Basel den Spelz
oder Dinkel mit der Spreu, und
Kern oder Kernen ohne Spreu.
Kräzentrft^er Wanderkrämer,
Marktrufer.
ein Krenz an die Büne machen wird
gesagt odergeschiht auch wirk-
lich, bald mit Kohlen, bald mit
Kreiden, wenn man über Jemands
seltene Erscheinung oder unver-
muhtetes Wolverhalten seine Ver-
wunderung bezeugen oder, als
über ein Zauberwerk, sich ver-
kreuzigen und das Haus mit dem
heiligen Zeichen ^darwider ver-
wahren will.
*kriften ein Pferd d* i. solches
kräftigen und seine Eisen auf das
Eis schärfen.
*Kr8nli Spitzen, dentales.
*Kr)$nlidintel Spitzenklöppel
*Krönlilade Lade, worauf man
Spitzen klöppelt.
^Kronlimnster nennet man im
Scherze den figurirten Stein und
Schifer an dem Gebisse gewisser
ünfläter und Unfläterinnen.
"^KrQs n. Faltkragen. Ganze Kröser,
die nur aus Einer Reihe hoher
Falten bestehen, eignet man den
Herren Geistlichen zu; gestückelte
Kröser, die aus etlichen Reihen
schlangenlinichter und über ein-
ander gerichteter Falten bestehen.
seyn bey uns ein Kennzeichen
weltlicher Standspersonen und der
meisten akademischen Lehrer.
"^kriJseln ein Krös aufsetzen und in
Falten steifen, welches ein eige-
ner Beruf der *Kröslerinnen ist.
Kr$speli f. heißt man das zerrie-
bene und in zerlassener Butter
braun geröstete Brot, welches auf
Aepfelmüser, Erbsen und einige
Suppen getahn wird. In Sachsen
heißt dieses Geröste ein amier
Mann, weil es nicht viel kostet,
obschon es wol schmecket.
"^Krösseheiben seyn besondere runde
zinnerne Blatten oder Scheiben,
worauf die Kröslerinnen die Krö-
ser zurechtsetzen und in steife
und gleiche Falten ordnen.
'*'Kii«hen8ehlÜ88el ein angeschmier-
ter Strich oder Flecken von Ruß
oder Kohlen im Gesichte, den
man in der Küche erhohlet. La-
teinischer oder gelehrter Küchen-
schlüssel: ein Dintenflecken um
Mund und Nase.
"^kündig geizig, karg. Kündigkeit
Geiz.
*Kuenz m. Spieldocke; marion^te.
It. ein possichter, spaßhafter Kerl.
Kuenz und Benz Alle und Jede
ohne Unterschied. Kunz oder
Benz, mir ist alles gleich; Tros
Rtttulusve faat nuUo discrimine
habetur.
^Knenzenspiel Dockenspiel; jen de
Marion^tes. Kuenzenspieler,
Dockenspieler.
Kühweide für Heimat, Vaterland.
Wenn Jemand besorget, zu weit
von den Seinigen oder sonst in
die Irre geführt zu werden, so
pfleget man ihm den Trost zu
geben, er sey nicht aus der Küh-
weide.
Kiindenhans das Haus eines Kund-
manns, da ein Handwerksmann
in Arbeit sitzet oder stehet, son-
derlich wenn von Schneidern die
Rede ist. Den Schneider in das
Kundenhaus nemen oder in dem
Kundenhause haben sagen oft
Diejenigen Selbsten von ihrem ei-
genen Hause, bey denen der
Schneider wirklich arbeitet.
26
Kmistliafeii oder Rutschhafen ist
ein sogenannter Sappenhafen
ohne Füße, den man mit der
Ofengabel in den Stubenofen hebt
oder ratschet, daß man kein be-
sonder Feuer darzu nöhtig habe.
*Kate f. kleine Grube, dergleichen
die Buben machen, wenn sie mit
Schnellem spielen. Zur Selten-
heit wird etwann auch das Kinn-
grdbchen eine Kute oder ein
Küteli genennet.
Kuttelhans da die Metzjger die Ge-
därme ihrer Schlachtrmder butzen
lassen. Kuttler heißt, der die
Verrichtung und Aufsicht in di-
sem Hause hat.
Lade f. Lädlein, Schächtelchen. Die
Landleute sagen TTUcke und
Trüdclein.
""^Ladenherren oder kurz das La-
denamt seyn drey kleine Rähte
und ein groß Rahtsglid, welche
die Zinse von denen auf obrig-
keitlichem Boden stehenden Kauf-
läden und Gebäuden einziehen*
**Läg6P Lager, Heerlager, Schlaf-
t"^'
**lägepeii sich sich lagern.
Lähen Lehn, feudum, emphyteusis.
Lähervmannläoim ann,Lehnmann,
Mayer, Hofbauer, Zinsmann, co-
lonus. *Erblähenmann Erbzins-
mann, emphyteuta. "^
*LällenkSnig ist auf dem Beintohre
zu Basel ein aufgesteckter Kopf,
der mit seiner Lalle die Minuten
zeiget und von den Handwerks-
buT sehen als ein Wahrzeichen
fleißig betrachtet wird.
'*''*'Landrecht Einsitz- und Bürger-
recht eines Landmanns oder On-
tertahnen in einem Flecken oder
Dorfe (basel. Landsord.)
Lanstock Lohkuchen, Gärberkäs,
Lohstock.
'^'^Lantersinii f. das Aich- oder ge-
schworene Maß flüssiger Dinge
ohne die Hefen. F.in Saum Wem
Lautersinn ist 96 Maß, Truobsinn
hingegen 100 Maß.
Leckerlein, LecJMlchlein und aus
Mißverstände in der gemeinen
Aussprache LebkilecMi bedeuten
so viel als Arzney- Gesund- oder
Heilküchlein.
^Lehrgotte wird eine Schulhalterinn
von ihren Jüngerinnen genennt.
**leiblos eines gewaltsamen Todes
gestorben; sich leiblos machen:
sich umbringen, unsere Alten
sagten auch geleiblost für umge-
bracht. Heutzutage heißt leiblos
immaterialis, quod null! jungitur
corpori, körperlos, unkörperlich.
^Leidjltoß des Frauenzimmers war
vor disem ein ungehearer Schlup*
fer, wenigstens l}4 Elen lang
und eben so breit, mit Trauer-
tuch überzogen und an beiden
Enden mit schwarzem krausem
Beize versehen. An den Leich-
begängnissen, da man die Wei-
ber darbey noch gestattete, ward
der Leidstoß ganz auseinander
gedehnt und zu Bezeugung der
tiefen Trauer bis an die halben
Arme gezogen, daß man kaum
die Elenbogenspiize darvon er-
blickte. Außerdem aber, bey dem
Kirchgange und sonst, zog man
den Beizsack in die Falten, damit
das steife weiße Zeug an den
Händen nicht in Unordnung ge-
riehte.
**Leis Waide, pascua. Darvon hat
die Leis in Basel bey St. Leon-
hard, wo<^Jdie Metzger vormals
ihre Ochsen geweidet, den Namen.
Leitfässer heißen die FSsse% worin-
nen man im Herbste die getrete-
nen Trauben zu der Kelter und
bey den Brausten das Wasser
herbeyzuführen pflegt, und die zu
disem Gebrauche mit einem gros-
sen Laden in der Mitte versehen
seyn.
Lescni, Hafnerleschi Häfhergläst-
ung, lorica testacea.
*Lieke f* ein besonderer Brey von
feinem Mahl. Wachs und Ler-
chenharz, womit die Weiber das
Bettzeug beschmieren, damit die
Federn keinen Abgang leiden.
blicken ein Bette, heißt solches mit
dergleichen Brey beschmieren.
Lieehtete f. eineYersammlung guter
Freunde und Freundinnen, die
nach dem Nachtessen eine Kurz-
27
weil i^end anstellen und eine
lange Wintemaclit einander yer-
kürzen. Das beißt m&n z^Liecht
go. Eine solche Liechtete nennt
man in Schwaben einen Karz,
Ton den Kersen, die ein Jedes,
wenn die Kehre an ihm ist, dar-
zu stiftet.
Liechtiftt Freunde und Freundinnen,
die einen Nachtbesuch bey Je-
mand abstatten«
^lins (Landw.) leise, sacht, sanft,
snbmissus, lenis.
^Lismer der da grobes Strickwerk,
als Kappen, Bauern- und Winter-
strümpfe u* dgl. verfertiget.
Lismernadeln sonderbar grobdStrick-
nadeln oder Strickhölzer.
*Litteiie versoffenes Weib; cempo-
trix, yinosa vetula. Von dem
altfr. lid Getränke, potulentum,
sicera. Daher in dem aleman-
nischen Landrechte die Wein-
schenken, caupones, Litgeben und
von den Neuem aus Miß verstande
Leygeben genennt werden.
♦♦loblich löblich, löblicher Stand
Basel hochlöblicher Stand Basel.
♦Lodel m. das zotichte Ende an
einem Gewebe. Von Lode Zote
von Haren oder Faden.
Logel, Logelä f. hölzernes Weinge-
fösse mit einem Deckel und Schna-
bel, dergleichen man den Schnid-
tem in der Aemde zuträgt. It.
ein versoffener Kerl, bibo.
♦♦Lohbänme soll heißen Lachbäume.
Lohen und Märchen Lachen
und Marken, (basel. Landsord.)
♦♦Lohnherr ein Bedienter des Bau-
amtes, der die Aufsicht über die
obrigkeitlichen Bauvorrahtshäu-
ser hat, denen zu den Stadtge-
bäuden bestellten Arbeitern und
Handwerkern ihre Arbeit vor-
schreibet und sie bezahlet, wozu
auch ein Lohnschreiber verord-
net ist. Beide samt denen unter
ihnen stehenden Arbeitern wer-
den unter dem Namen deaLohn-
amtes begriffen. An dem Lohn-
amte schaffen wird nur von Tag-
löhnem und Handlangern gesa^.
♦ein istiger Lue eine derbe Lflffe.
♦Lotsche f. Grube, dergleichen die
Knaben in die Erden machen
wenn sie mit Schnellkügelchen
spielen. Lötschlin im Kinne,
Kinngrübchen. — Lotsche nen-
nen auch die Schiffleute ein ge-
fährliches Loch in einem Wasser.
Lnmpenmäble eine ärmliche und oft
müßige Papirmühle. Lumpen-
m/üller ein armseliger, unge-
schickter und schlecht versehener
Papirer.
♦Lnoginsland heißt bey unsern Bau-
ern ein Stemkucker, Wetter-
schauer, Kalendermacher. — Luo-
ginsland nennte man hierehmals
eine Warte, speculam. Den vier-
ten Theil der Statt, so da an-
fahet beyEgloffs, genant Spalen-
thor, bis an den Thum Z/t^o^in«-
land zuom nüwen Pollwerck
sollen die Schnider und Metzger
behüttten und versorgen, den
fünften Theil der Statt aber, so
da anfahet bey dem Thum Luo-
ginsland bis an St. Thomans
Thum am Rhein bey St. Johann
die Brotbecken, Gärtner, Schiff-
leute und Vischer (alte Sturm-
ord, von 1549).
♦mtzel: es geht lützel her d. i.
kärglich, ärmlich.
♦Lntzer m. eine luzernische Scheide-
münze, «die einen halben Plapp-
hart oder 6 Pfenninge p^lt. Heißt
auch Lutzer-Schilling in der Mit-
telschweiz.
*Laiisterf^aii weyse Frau, Weh-
muter, Hebamme, Vorwärterinn.
(Ist ein Landwort). Heißt eigent-
lich eine Lausjcherinn.
Lybli Leibchen, Brustkleid eines
Frauenzimmers.
Lyre Leyer. Jt. ein Drehfaß zum
Buttern.
machen wird hier öfters ohne Zu-
satz gebraucht, wodurch die Bede
zweydeutig wird und auf eine
ünfläterei gedeutet werden kann.
Was die Ehrbarkeit liebet, wird
sich darvor hüten.
♦♦machen Einem erblich vermachen
oder bescheiden; legare testa-
mento. (alte GO.).
♦♦MäehtnnßVermächtniß ; testamen-
tum. (alte geschr. GO.).
28
""Mägd Jungfrau. Zur Magd ist der
Name eines Gesellschaftshanses
zu BaseL Außer dem ist das Wort
veraltet.
Mftlj kleine Mahlzeit, die aber zu-
weilen weit greifet, wie dieSecbser-,
Meister- und Doktormäly u. dergl.
^Malzieher (frühe und späte) eine
sonderbare Gattung süßer Aepfel
in und um Basel , wovon die
Schnitze, grün und dürr, voraus
kostbar seyn, daß auch die Imp-
fen darvon in die Fremde ver-
schickt werden.
Manigfalt n. der geringere Teil von
den Kutteln, der gemeiniglich
Hunden und Katzen zu Teile wird.
Den Namen hat dasselbige von
der Gestalt. — It. eine runze-
lichte Vettel.
Marder m. war ehdessen eine Be-
schützung oder Zierat des Frauen-
zimmers um den Hals im Winter.
Dergleichen Halsbelze waren
meistens von Marder, daher man
sie auchallso nennte. Der Name
blieb aber durchgehends, wenn
man schon etwann geringeres
oder teureres Gefülle als z. e.
Zobel von 100 und mehr Schwei-
zertahlem darzu gebrauchte.
Maß und Maß. Wenn in Basler und
andern schweizerischen Schriften
beides bejsammen vorkommt, so
bedeutet Mä& das Maß trockener,
und hingegen Ma& das Maß flüs-
siger Dinge. Das MäB nemen
sagen bey uns die Schuster und
Schneider von Schuhen und
Kleidern.
**]iiaßeii(Fügw.)dieweil, indem, cum,
quia,siquidem. Ist veraltet undver-
rftht einen unerfahrenen Schreiber.
**Maachli, Büebemäuchlin (in der
Mehrzahl) Scheiben- oder klotz-
weise ff eschnidteneBüben zu einem
Geköche«
**Biaagem sich, oder fdchmudem,
kränkelen, sich krank legen.
Wann ein Stuck Hornvieh sich
mangeren und erkranken wurde,
so soll diejenige Haushaltung, zu
deren diser Stall gehörig, sich inn-
halten und nicht under dieLeuth
kommen, (basel.Mand. von 1715).
Maal, welches bey den Hochdeut-
schen nur zu unvernünftigen
Tieren gesagt wird, heißt zu
Basel der Mund eines jeden Men-
schen. In der Verachtung läßt
man es pleiten. Halte deinMauII
Das Weib hat ein böses Maul.
♦♦Maulvieh, Mulafieh, Mulifih, Mule-
fe heißt buchstäblich ein fressend
Yieh an dem Baren oder auf der
Waide, von mulen fressen. Li di-
sem Verstände heißt Bileams Esel
bey Du Fr^ne ein Mulfieh animal
mulinum, humana voce loquens.
It. verstehet man dardurch ein
Reit- oder Streitpferd, welches
ehmals ein Dienstmann auf eigene
Kosten seinem Herrn zu einem
Feldzuge stellen mußte. — unter
dem Mulfih begreifen die Alten
fernen das Barenvieh, welches
von Jemand, der ohne Erben ver-
stirbt, hinterlassen und dem Herrn
des Ortes zugeeignet wird. Des-
gleichen ein Vieh, welches hin-
lässiglich sechs Wochen und et-
liche Tage auf einer fremden
Waide gehet und darum der Herr-
schaft des Ortes verfallen ist.
(Lauf. helv. Gesch. Teil V. Blatts.
271 und 272).~ Endlich auch ein
jedes bewegliches und unbeweg-
liches Gut, welches eine gesetzte
Zeit über von dem Eigentümer
nicht gehandhabt noch gesucht
wird und derowegen von der Herr-
schaft eben so wol mag einge-
zogen werden. (Hafners solotum.
8chaui>l. Teü U. Blatts. 393a).
Bey einem Lehnbriefe Bischoff
GhristofEs von Basel 1510, da er
die Landschaft Sißgau der Stadt
Basel verliehen, findet sieh ein
Verzeichniß der damit verliehenen
Bechte, und darunter ist auch oZ?
Mulaffeh begriffen.
Mansohren, Mnsörli eine Gattung
kleiner Hohlküchlein, die man
anderswo in der Schweiz Milch-
ürli oderEyerörli zu nennenpfleget.
*Meekelä sehlo Meckel schlagen, ist
ein Spiel junger Bursche, die ein
Stäbchen oder einen Knochen eines
Daumens dick zur Hälfte auflegen
und auf das ledige Ende mi.
29
einem Stöckchen also schlagiBn,
daß es einen zimlichen Sprung
nemen muß, da Deijenige, dessen
Meckel am weitesten springt» zu
^^innen pfleget.
Meigel, Meihel, Meyel ein Hamglas,
urinula. Nunmehr nennet man
allso ein hohes, von oben bis
unten gleich weites Trinkglas,
glatt oder knOpfig, mit Griffen
oder ohne Griff.
^^MeigewHnne gewonnene Meige
oder gesammelter Harn. Ein teil
Gilen (Bettler) nement salb, die
machent sy us meigevmnne, und
bestrichent sich under dem ant-
litz, so werdent sy geschaffen,
als werent sy in ein füre ge-
falleu, und das heißet imderinen
ein scheffln antlitz. (Merkw. der
Landsch. Bas. St. YII. Blatte. 854
aus ürk. von 1422). Zur Ver-
st&ndniß diser Stelle hilft eine
andere aus Martin Meyers Liede
von einem Bitter aus Steyermark.
Diser Bitter wird in Frankreich
in ein hartes Ge^gniß gewor-
fen. Seine Gemahlinn vemimmt
es in Deutschland. Sie eilet, ihn
zu erlösen; sie langet an; sie be-
sticht die W&chter und wird zu
ihm gelassen. Sogleich verwech-
seln sie ihre Kleider, damit er
an ihrer Stelle herauskommen
möge, und, damit man sein Ant-
litz nicht erkenne, spricht sie zu
ihm: N^mm dein schüssel, em-
pfach dem ham,deyn antlitz wasch
gar eben.
**Mietwahii Hoffnung zu Miet und
Gaben. Unsere Bichter schweren,
Becht zu sprechen weder durch
Miet noch Mietwahn. Gleiche
Bedensart kömmt auch in den
Wahleiden vor.
Mischletef.gem&ngtes Zeug, miscel-
lanel^ farrago. It. Mischelfrucht.
'''^iiiißgiehtig seyn abläugnen, nicht
gestehen wollen, (alte geschrieb.
0.).
^'CmitnaBien insonderheit, ausdrfick-
lich, praecipue, diserte, ezpresse«
Kömmt bey unsem Alten vor.
^Morant m. der oder die vor Un-
flat wie ein Mohr oder eine
Möhrinn aussiht. Sonst auch
* Mohrentrost, dessen Anblick einen
Mohren tröstet.
morden morden, umbringen. Ich
glaube schier, es sey besser ge-
sagt als das hochd. morden,
denn man sagt ja Mörder latro
und nicht Morder.
Most n. der Most. In Basel nennet
man allso nicht den süßen Wein
von der Kelter wie anderswo,
sondern den eesodtenen Wein,
wie auch gesodtene Aepfel, Bir-
nen, Zwet^enu. dergL Das ist
Most fQr ihn sagt man von Einem,
der etwas Erwünschtes zur Hand
kriegt.
müde seyn sein Möglichstes bey dem
Trünke getahn haben, betrunken
seyn. Ist eine höfliche Bedens-
art der Landleute.
Müeltli Müldlein, ein zinnernes oder
blechernes muldenf örmigesGefässe,
worinn die Mägde das Fleisch von
der Metzgerbank hohlen. It. eine
Behörde unter den Kinderwiegen.
Maeltscharre eine Scharre, womit
die Mulde nach ausgewirktem
Teige gar ausgescharrt und ge-
reinigt wird. It. ein schwärer
Weck von dem Mnldenkräz«
Multscharrete f. der hie und dar in
der gelärten Mulde und an den
Händen der Backmuter noch an-
klebende Teig, welcher zu Bröokel-
chen und Brosamen mit der
Scharre zusammengekratzt wird;
Muldenkräz. It. der Weck, wel-
cher aus disem Teigkräze für
Kinder und Gesinde gebacken
wird. It. ist es ein Spottname
blasser Leute, die wie ein halb-
Iffebackenes Muldenkräz aussehen.
^Imeiii f. die nach den Männern
strebt,
^Miiemli Dämlein und Hürchen.
*muemen dem Mannsvolk zu viel
erlauben, schmeicheln, durch die
Finger sehen. **Mumerey ver-
dächtiger Umgang mit Manns-
bildern, allzugroße Nachsicht.
Maes n. nennet man zu Basel nur
die Erbsen. Anderswo verstehet
man dardurch einen Brey oder
auch allerley Gemüse, muestn
30
sagt man von gaten Erbsen,
welche sich recht markicht aus-
kochen lassen.
*da8 Mttnster alireiben heißt zu
Basel eine alte Jungfer seyn,
die am Ende des Jahrhunderts das
Münster sur Feyrung des Jubel-
festes könnte ausbutzen helfen.
^M'dnze nnd Ohnmttnze heißt die
Bild- und Wapen- oder Spruch-
seite einer Münze. Münz oder
Ofnünz ist ein gewisses Spiel der
Junten, da sie mit Zahlpfenningen
anschlagen, und Derjenige, dessen
Pfenninge mit der l&nz- oder
Bildseite auswerts fallen, die an-
dern Pfenninge mit der Ohnmünze
zum Gewinnste darvonträgt.
Ein Vater, welchem man die
Botschaft bringet,daß ihm einKind
gebohren worden, fragt zuweilen:
Ist es Münze oder Ohnmünze, d. i.
ein Bübchen oder M&gdchen?
•♦mups enzwei morsch entzwey, in
kleine Stücker zerbrochen*
Müterlein, Müeterli nennten Yoret-
wann 30 Jahren die vornemen
Kinder ihre Müter, wofür das
jetzt gewöhnliche Mama aufge-
kommen.
Sintern die, matres die Müter; der
Mütem, matrum der MÜter.
Mütschli Mürbbrötchen. In Zürich
nennen sie es Fülibrötli, . crostu-
lum pullinum.
Mntte m. Bock, hircns. Dises macht
glauben, daß man in den Schrif-
ten der mittlem Zeiten für mul-
tones yerveces, Hammel, muttones
lesen sollte*
Miiüsli eine Gattung Küchlein, s.
Mausohren.
**nacher für nach, auf. Er gehet
nacher Haus; ich will nacher
Frankfurt. So lasse man die
Handwerksbursche reden. Ver-
ständige sagen: er gehet nach
Hause; ich will auf Frankfurt usf.
nacketig nackt, bloß. Wegen nacke-
tiger Tänze an das Halseisen
kommen. Die zu Basel noch
besser reden wollen, sagen nackend
oder nacket.
*nagelt^nkelfenernen : nagelneu ist,
was frisch yo» dem Hammer
kömmt oder frisch beschlagen ist,
Funkelneu oder fankelfeuernen ist
was frisch aus der Aeß kömmt. Zu-
sammen ist es wie ein Superlativus
des Neuen, welchen man öfters
von Dingen gebraucht, die nichts
weniger als Hammer und Feuer
leiden mögen. Man sagt z. E.
ganz lächerlich: ein nagelneues
leid, eine nagelfunkelneue Per-
rüke, ein nagelneuer Magister
u. dgl.
**näliig sagt man von einer hoch-
schwangem Frauen, die ausge-
rechnet hat, partui vicina, licttoxo^.
Zion war nähig, prope instabat
Sionis partus sagte ein frommer
Prediger von der Fülle der Zeit,
da das Heil der Welt gebohren
werden sollte.
*Baka sagen unsere Landleute für
nein.
Bftmlicher ebenderselbe, der Gleiche.
Am nämlichen Tag : an dem glei-
chen Tag. Er ist nicht mehr
der Nämliche, d.i. man verkennet
ihn, er ist der vorige Mann nicht
mehr. Es ist die Frage, ob man
dises Wort, welches man im
Hochdeutschen nicht eigentlich
ersetzet, nicht bejbehalten sollte.
Nast Ast; ramus. Einige Franken
bedienen sich dises Wortes so-
gar in offenen Schriften.
Nestel nennet man die weißen Riem-
chen, die man in den Krebsen
findet und in der Speise ver-
wirft.
*nShtlich sagt man hier zuweilen
für überamg, gar zu ränklich,
affect^. Sonst ist es so viel als
schwärlich, ärmlich, kärglich,küm«
merlich. Es ist nöhtich zuge-
gangen; ein nöhtlicher Schmal-
junker, nöhtlich leben fraudare
se victu suo.
Nonnenfdrzlein eine Gattung kleiner
Leckerbrötchen in der Größe
eines halben Guldens von Man-
deln, Zimmet und Zucker.
netten Landw. dennoch, attamen.
Es isch nottä so : es ist einmal so.
^'''nnnniBlen nunmehr*
^'''Bnnnialiger jetziger.
«"^nnnmeliro nunmehr.
31
^^nmizmnaleii für nunmehr, der-
mals. Ist unertrS^flich.
nlit nichts. Landw. *iiimz.
♦♦oberster Knecht ist za Basel der
Rahtsdiener^ welcher vor Rahte
die Dienste wie anderswo in der
Schweiz der Qroßweibel versiht.
Er hat femers die Gei^chtsbarkeit
über alles Dienstgesinde^ über
die Scharfrichter, Wasenmeister,
Schinder und Juden, Ton welchen
er das Einlaßgeld beziehet und
zu genießen hat.
Oberte f. nennen die Landleute den
Ort in der Scheuer, da der Haspel
ist und da sie die Garben hinlegen.
♦oblterhin sagen Einige, die von
ferne Latein gerochen, für über-
hin oder obiter.
♦♦Obsorge Aufsicht, hohe oder
höchste Fürsorge, Schutz. Gewisse
Briefkünstler prangen noch mit
der Redensart: Gottes Obsicht
herzlich empfohlen; womit Sie
Gottes Gnadenobsorge erlassend.
Ohrenmjckele n. Ohrwurm, Oehr-
ling, auricularia. In Zürich heißt
es ein Ohrenmytel. (Fries).
*ölen Jemand, sagte man ehemals
zu Basel und in der Umgegend
für die letste Oelung geben.
^Orband an einer Degenscheide,
Ortband.
Oergeli n. Kübel, situla. (Ist ein
Landw*)
♦Omig heißt insbesondere auch der
Zug der Schüler, wenn sie nach
beendigter Lehre eine Strecke aus
der Schule geführt werden. Er isch
US der Omig zuenemä Dienst ko.
*Ortbrett an einem Spanbette, Sei-
tenbrett.
♦Oser Aßsack, Speissack, Waidsack.
♦Fackel f« Zuchtsteck, Zepter eines
Schulregenten. Von dem lat.
baculus.
Pappenbfirste Buchbinderbürste. It.
we^en der Aehnlichkeit eine spöt-
tiscne Benennung breitgestutzter
Barte.
♦Partem m. heißt der Parater oder
Calefacter in der Knabenschule
des mindern Basels«
♦PastOBejer Fastinaken.
*Peterthalbeii m. für Beiderthalben
oder Bederthalben d. i. ein Sack
zu beiden Seiten, Schnappsack,
Doppelsack, Habersack.
♦Pfeil neut. der Pfeil.
Pflaten eine Gattung Teigklöße,
die nur halbgepriigelt genossen
werden.
♦Pfnnd in der Münzrechnung be-
trägt 20 Schillinge oder 12 gute
Bateen.
♦Pfandvierer ist die Gebür des
Stadtkäuflers bey den Ganten,
nämlich ein Vierer von jedem
Pfund, den sowol der Käufer als
der Verkäufer bezahlet.
«Pfasbäckli, Pausbäcklein, Hohl-
räpplein, deren zween einen Rap-
pen ausmachen, und die man
nur für Zoll oder Almosen aus-
gibt.
♦Pießlin n. eine französische Silber-
münze von ^ Batzen oder 10
Sols.
♦Plempe f. Halsgehänge des Frauen-
zimmers.
♦Plömli n. Plänlein, kleiner Plan;
ist der Platz zu Basel, da der
Roßmarkt gehalten wird.
♦Plömlibrann ein köstlicher Brunn
daselbst, den schwärlich einer in
Europa übertrifft.
Plunder n. allerlej weiß Gerähte.
Den Hochdeutschen scheint es
lächerlich, welche durch den Plun-
der, wie sie reden, nur schnödes
und verworfenes Zeug verstehen.
Plnnderseil Wa«chseil, ein roßhä-
renes oder mit Roßharen unter-
flochtenes Seil, die Wasche dar-
an aufzuhängen, ohne daß sie
darvon fleckicht werde.
♦Pocher heißt ein Spielbrett, wel-
ches in Furchen eingeteilt und
nach den Figuren der Spielkarten
bezeichnet ist. Diese Furchen und
Zeichen werden mit Gelde oder
mit Zahlpfenningen so Jange be-
le^, bis Jemand eine Karte, die
mit einem Furchenzeichen ein-
trifft, aussf^iele und das darauf
besetzte Spielgeld beziehe.
♦*rorÄ f. Anteil, bestimmtes oder be-
schiedenes Teil; portio, pars*
32
♦♦Pracht m. lieber die Pracht, or-
natus, pompa. — Pracht bedeu-
tete hier ehemals auch ein großes
Geräusche, wildes Geschrey, Groß-
sprecherey u. dgl.
♦♦Practicant Aemtermäckler, Aem-
terkramer; der durch Miete und
Gaben, Heurat, Maineid und an-
dere verruchte Mittel ein Amt
erwirbt, oder der in solchen Hän-
deln um das Geld kuppelt und
mittelt.
prägcln in Butter rösten oder bra-
ten. Eine Pappe prägein. Die
Nascherinn wird wol bald aus-
geprägelt haben. Was sie des
Nachts verdient, verprägelt sie
am Tage.
Kaach für Bache (mit einem kur-
zen a).
Kacken m. für Gaumen, palatum.
Zu Basel sagt man es auch von
Menschen zu großem Aergemiß
der Hochdeutschen. Gleichwol ist
dis Wort gar schön angebracht,
wenn von einem Geizhalse, Räu-
ber oder Wüterich die Rede ist.
Radbären m. Schubkam.
Räf, Tragräf aerumna. Die Hoch-
deutschen sagen Rückkorb. Es
ist aber doch etwas Anders, in-
dem es wie das Gerippe eines
Korbes aussiht.
"^♦ralitsamen verpflegen, rein und
wol halten, besorgen, verwalten.
Ein Eind oder einen Kranken
rahtsamen. Seine Güter nicht
rahtsamen, sondern wild liegen
lassen*
"^♦ßahtserkantnnß Rahtserkänntniß,
Rahtsschluß, senatus consultum.
♦♦Kahtsnbstitut wird oft von Bür-
gern und Bauern jämmerlich ge-
radbrecht. Leichter und deutli-
cher sage man Unterrahtschreiber.
raiten den Hanf von der Hand
brechen und schälen.
♦Bänier Rußfeger, Schlotfeger. Von
Ram Ruß. Schwarz wie ein
Rämer, und nicht Römer, wie
man aus Mißverstande sonst zu
sagen pflegt.
rämselen müffzen, böckselen. Tn
der oberen Schweiz nennet man
den Gestank der Uechsen oder
Achseln einen rimslenden Ge-
schmack«
Ranze m. ist eigentlich das Fell-
eisen eines Reisenden. Zu Basel
nennet man also auch im Ge-
spötte den vollen Magen: Er hat
den Ranzen gefüllt, er hat sich
voll gepf rocket, lt. einen Buckel.
Der Ding, der die Dingenä mit
dem Ranzä het, d. i. der ein buck-
lichtes Weib hat.
♦Räppis m. Spanwein, ein ange-
machter Beerwein oder sonst köst-
licher Wein, welchen man mit
einem Znsatze von Zitronen, Ge-
würze und Eichspänen verjähren
und eine 2ieit lang ligen läßt.
Rärr f. Schreyerinn, Kreyscherinn ;
ein Weibsbild, das eine harte und
männliche Stimme hat. Mnhl-
kanserrärren nennet man zu Ba-
sel die Mühlha userinnen wegen
ihrer grobem Aussprache. —
raren sagt man auch von Denen,
welche den Buchstaben r nicht un-
geschnarret aussprechen können.
ranen Anken nennen die Weiber
zu Basel die abgesodtene Butter.
Wenn ein Kind verstopft ist,
schoppet man ihm ä Knölleli
rauen Ankä in die Nase u. s. w.
♦Redhans eine treffliche Brust, wor-
aus eine helle, volle und starke
Stimme erschallet. My Bueb het
gar ä guet Redhus und Gedächt-
nuß; er muß ämol ä Geistlichä
werdä.
♦♦Reformation Sittenverbesserung,
Zuchtordnung. Einem vor die Re-
formation bieten d. i. vor die
Zuchtherren oder vor das Straf-
amt. Zuchtgerichte und Zucht-
richter werden die Reformation
und die Reformationsherren in
der alten straßburgischen Stadt-
ordnung genennt, und so könnten
wir deuteche Basler dieselben
auch nennen.
Reiberlein Rigelchen an einem Fen-
ster. It^ eine Gattung eherner
oder eiserner Weinhähnchen, wo-
raus man den Wein vermittelst
eines gerade ausgezogenen Zäpf-
chens lassen kan.
33
reif nennet man einen Teig, der
eben recht gehaben oder ge-
, gangen ist.
*rei8eii {Wirkwort) abrichten, an-
weisen, instruere quem. It. zu
Gange bringen. Willt du nicht,
junger Herr?/ Ich will dich schon
reisen.
Reisten m. gehechelter Hanf in
Docken. — reisten Tuch hänfen
Tuch.
Reite, Ryte f. Schaukel, Reitseil
oder Hangseil, worauf sich die
Kinder eine Bewegung geben.
reiten (Landw.) für fahren, auf
Wagen oder in Kutschen.
Republik respublica ist bei ansein
noch ziemlich neues Bastartwort,
welches man auch gar wol ent-
bären kan, weil Freystand oder
Freystat, wofor man dasselbige
mißbrauchet, die Sache weit bes-
ser ausdrücket. Denn durch rem
pubb'cam haben die Römer meh-
ren teils das gemeine Beste ihres
Reiches oder die Verfassung und
Verwaltung eines jeden freyen
und unfreyen Staates verstanaen.
Daher von ihnen nicht nur ihrer
summae reipublicae, sondern auch
municipalium rerum publicarum
Meldung geschiht.
Republikaner Freybürger , Frey -
Städter, Freysaß, freyer Reichs-
bürger oder Freyständer, weil
man auch Bey Ständer, Vorstän-
der und ümständer sagen kan.
Einmal ist das Deutsche vorzüg-
licher, weil man durch Republi-
kaner oft sehr unbändige, auf-
rührische und wilde Freystädter
oder Freybauem zu verstehen
pflegt.
'''Renen m. für die Reue. Der Reuen
wird dich noch ankommen.
♦♦Revisoren Läuterungsherren in
bürgerlichen Rechtszügen. Der
lateinische Name ist gar zu un-
bestimmt und wird ohne Noht
gebraucht. Auch Bevisians -
herren.
Riester m. Bletz über das Oberleder
eines Schuhes, riestern Schuhe
bletzen.
*Rige, Rigi f. Reihe, Anreihung,
series. ♦Rigiröcke und ♦Rigifdr-
tiicher nennte man ehdessen die
Weiberröcke und Schürzen, wor-
an eine Reihe unzähliger eng zu-
sammenstoßener Falten war.
Rinke m. Hafte, Schnalle; fibula,
spinter. An den Rinken spannen
d. i. einem üebeltähter, der et-
liche Brügel ausstehen soll, beide
Hände an Ringe spannen. Eine
Sac^he bey dem Rinken nemen,
ein Geschaffte bey dem rechten
Ende packen, rem fortiter etdex-
tere aggredi.
♦risen fallen, abfallen, ausfallen,
wie das Laub von den Bäumen
und die Weinblühte von schäd-
lichem Regen oder wie das Har
von einem kranken oder grauen
Haubte.
Rist n. der Hals, Lauf, Reihen oder
Sprang des Fußes, d ie Fußspange ;
plica s. Collum pedis«
Ritzeli, fnl Ritzeli unehrbarer üeber-
name eines arfifen Mägdchens,
der doch bei gewissen Weibern ein
Lob oder gar eine Scbmeicheley
bedeuten soll.
^Rotelay (rahte allein) sa^ man,
wenn man ein Rähtselau&ulösen
gibt. Rotelay machen, einen
lange rahten machen.
♦Rück oder Beiß machen aciebus
ludere: ist ein Spiel unter ge-
meinen Leuten, wenn Zween et-
was zu teilen haben, da ein
Dritter sein Messer zwischen bei-
den Stücken hält und fragt : Ruck
oder Byß? worauf Derjenige,
welcher Beiß sagt, das gegen der
Schneide ligende Stück dariron-
trägt.
"^Riiebeniänchli ein Essen von grob
zerschnidtenen Rüben , die mit
heißer Butter und geschweißter
Zwibel zubereitet werden.
*in die Ruhten ziehen geschiht von
den Schulkindern unserer Stadt,
wenn sie j&hrlich an einem schö-
nen Fühlings- oder Sommertage'
singend und in geparter Ordnung
unter dem Geleite und Vorgesange
ihres LehrmeiRters sich vor die
34
Stadt hinaus auf eine Lustbarkeit
begeben und, nachdem sie den
Schulstaub bei dem Tanze und an-
deren Spielen ausgelüftet, in glei-
cher Ordnung wieder in die Stadt
ziehen. Vielleicht ^ömmt die Be-
nennung dieses Ruhtenzuges oder
Ruhtenfestes daher, daß man
ehmals an einem bestimmten Tage
den jährlichen Vorraht von Zucht-
ruhten zu schneiden und das junge
Frauenzimmer zu dieser Ruhten-
ämde zu erbitten pflegte. Ob das
gleiche mit den Schülern auch ge-
schehen, ist ungewiß. Wenigstens
hat man keine Spur darvon.
♦Riipfep falsche Wehen einer Ge-
behrerinn. It. die Schreibgichter
eines Dichterlings oder sonst
eines ohnmächtigen Verfassers.
Rnpis und Dvpis wegnemen heißt
Alles, was man vorfindet, Stück
und Bruch rein aufraffen und sich
darmit fortpacken« Es scheint
eine von den Faßbindern herge-
nommene Gleichnißrede zu seyn,
als welche an den Orten, da sie
gearbeitet und etwann alte Fässer
zusammenschlagen, bei dem Ab-
schiede gemeiniglich Beife und
Dauben oder Dangen mitzunemen
pflegen.
Ranm m. Milchram, cremor lactis.
Er isch der Rum von sinä
Gschwistertä d. i. der Wackerste,
der Auserwählte.
Rnmmilch ßaummilch^ crSme foüetee.
**Sanität8rähte Gesundheitsrähte.
Die Herren von der Sanität
ist lächerlich gesagt.
^'''Saiimsal f. für Saumseligkeit. Ist
zwar veraltet, aber noch erträg-
lich in einer Eanzley, da man
oft schlimmeres Zeug ertragen
muß.
^Sanseheibe nennen grobe Leute
den Gesindtisch, wo etwann auch
die Kinder sitzen.
scbader : Es ist schader um dis
als um jenes, es ist vielmehrSchade
um dis als um jenes.
Schal oder Schol f. Fleischbank,
macellum.
Schaninaiieh Hintersaß. Den ver-
ächtlichen Namen gaben unsere
Alten den Hintersaßen, weil sol-
che in abgelesenen ärmlichen
Häuschen, die eine ünzierde und
Schande der Stadt waren, sich
aufhielten, wie etwann die Malz-
gösse und Lottergasse an den äu-
ßersten Enden unserer Stadt oder
auch diesogeaeamierättdigeSeite
an dem E^ine und die Höllen
oder tiefen Häuschen an den
Reinhalden mögen gewesen seyn ;
indem ganz vermuhtlich ehmals
der meiste Strich unserer Stadt
längst dem Reine von lauter
SchammaticTien angebaut wor-
den. Denn eben daher haben
auch unstreitig die an einzelnen
Orten in Deu^chland unter dem
Namen der Brinksitzer be-
kannten Hintersaßen den Namen
erhalten, weil Rain, Brink, Halde
und Hügel beynahe einerley be-
deuten. Das aus der üebung
gekommene Wort Manch erkennet
man noch in maucheln, mucheln,
munkeln, in obscuro agere ; Muche
Schleicherinn, Mäuchelmörder u.
dergl.
'i'Schaafadeii der äußere Rand einer
Waare, welchen man sonderlich
wol auszieret und zur Schau dar-
leget. An einem feilen Acker
z. B. nennen die Landleute Schau-
fäden dessen Rande und Ende
gegen dem Wege, welche sie in-
sonderheit reichlich düngen, da-
mit die Frucht darauf ja fein,
dicht und sattgrün erscheme und
einen Käufer anreize.
^'^Schelm nennten unsere Alten eine
Landseuche, sonderlich unter dem
Vieh. It. ein Todtenaß.
scherb oder seherf Brot heißt ein
Brot, welches an dem Anschnidte
trocken und spröde worden.
Schiffläiide für Hafen, Kay, Reede;
portus,. statio navium, wird nur
von dem Haven eines Flusses ge-
sagt. Andere Schweizer heißen
es den Staden,
Schifllein ein kupfernes, schiffähn-
liches Rohr, welches über der
Mündung eines Ofens in die Länge
35
desselbigen hineingehet , und
worinnen, so ofb man heizet, war-
mes Wasser gehalten wird.
schinden heißt bey unsem Alten
mehrenteils so viel als urgere,
vexare, affligere, treiben, plagen,
drücken und drängen. Land-
schinder ist allso ein Landplager,
der dem armen Volke das Mark
aus den Beinen preßt. In glei-
chem Verstände ist das böse Volk,
welches im XV. Jahrhundert 'unter
Anführung desDelfins in das Elsaß
und in unser Vaterland einge-
fallen, wegen seiner verübten
T^ranney allso genannt worden.
Schmbnet , Schinntanet Schaub-
oder Schattenhut; causia. Von
Schinne Schale, Rinde, Riem-
chen von zartem und dünnem zer-
schnidtenem Holze, woraus viele
Schirmhüte verfertigt werden.
Allso ist es ein Mißverstand, wenn
man anstatt der Schinnhüte in
der Meinung, hochdeutsch zu
sprechen, Sdieinhüte nennet.
*Sc]ilabntz starker Trunk, den man
bey großem Durste einschlinget.
*schiabntzen trahere pocula aren-
ti fauce. (Mahlers Lex.) Hier
aber bedeiitet schlabutzen so viel
als sich etwas wol schmecken
lassen, es mag dann gegessen oder
getrunken seyn*
Schlägel m. Bouteille.
Scbllpf Bergrufe, die sich senket.
It. der Ort, wo sich ein Berg
oder Hü^l allso geschält hat.
Schlötterlem Klapper, Rattel. Einem
ein Schlötterlein nachschlagen
oder anhängen d. i. mit dem Ge-
höhne und Geläster, wie mit
einer Narrenklapper, hinter Ei-
nem her seyn, Einem einen Spott-
namen anlangen.
schmirzen schmerzen, weh tuhn. Die
Wunde schmirzet.
'^'schmollen lächeln, seine heimliche
Freude und Hoffnung in seiner
Gebärdung merken lassen.
*8Chmöllelen lächeln vor Vergnü-
§m. Er schmöllelet schon in der
Öffnung.
Schmutz Kuß. Schmützli Eüßchen.
Die Franken sagen Schmatz,
Schmätzchen, — Schmutz an
ein Gemüse, die Butter oder an-
der Fett, dasselbige zu schmelzen
und zu kochen.
scbnäfeln schnetzeln, schneidein,
minutatim secare. Zu Bern heißt
ein Schnäfler in edlerm Ver-
stände ein Künstler, der allerley
schreinert und zimmert und doch
kein entschiedener Schreiner oder
Zimmermann ist.
Schnake, Sehnook heißt in der
Beckersprache ein Semmelbröt-
chen, an dessen Teige der Ein-
schnidt nicht gerahten, daß es
in dem Ofen nicht wol auf kröpfet.
'"Schneebällen eine Gattung runder,
krauser und dünner Küchlein von
Eyem, Semmelmähl, frischer
Butter und sehr wenigem Zucker.
Die Tugend der Schneeballen ist,
daß man sie schön weiß, feder-
leicht und trucken zu bereiten
wisse und keiner Nadelspitze
groß Fett darauf erscheinen
lasse.
Schnitt Aemdte.
*Sehnürlade,worauf man die Schnüre
klöppelt, und worinnen man aller-
ley darzu gehöriges Zeug verwah-
ren kan.
**Sch91m, Schelm nennen unsere
Alten ein Schindaß. Mißbräuch-
lich nennten sie allso auch ein
gesundes ausgehäutetes oder ge-
schältes Stück Vieh.
i'Schölmenbank heißt auf dem
Fischmarkte zu Basel die Bank,
da man die todten Fische ver-
kauft.
*Scb8ne f. Rohtsucht, Röhteln,
Röhte, Ueberröhte; boa, bova,
Papulae.
Scnooß fem. derSchooß; gremium,
sinus.
Sehöpfbrett Schneid- und Werkbrett
der Schuster.
sebörlen sagt man inderHeuämde,
wenn man das gewarbte und ge-
wandte Gras mit dem Rechen in
Reihen ziehet und ordnet, daß es
sodann geschöchelt werde.
Schorreisen ein Eisen, welches vor
einigen Häusern in der Mauer
oder an einer Treppe befestigt
36
ist, daß sich die Hereingebenden
bey kohtichtem Wetter daran rei-
nigen. Gleichen Dienst taht eh-
mals das Schorrbrett, d. i. ein
Brett, welches falten- oder fur-
chenweise geschnidten war und
vor die Stubentühre pflegte gelegt
zu werden.
Schöße, SchöKße die zwey ausge-
spitzten hintern Ende an dem
Leibchen eines Frauenzimmers
von Basel.
schrenzen auf- oder entzweyreißen ;
Andere, scindere, wie man an
einigen Orten auf der Tuch- oder
Leinwandschau mit Pfuscherwaare
tuht. Unsere Alten sagten auch
schrenden,
'"Schüchdenhobel m. der die Arbeit
scheut, und dem ein Hobelstoß
den Schweiß austrieb.
""SchiLchdenpflaeg Unfreund, Leut-
scheuer.
'''Schiihliägel dünne, in Semmelmähl
gewandte und in Butter gebackene
Schnitze von großen Winterbir-
nen. Dergleichen futerhafbe Schuh-
nägel werden gewissen Liebhabern
als ein winterlicher Nachtisch auf-
gestellt.
"^Schiübägi die eine Winkelschule fiir
kleine Kinder oder für junge Näh-
terinnen hält.
Sehaßgabel eine zweyzinkichte ei-
serne Gabel, womit das Heu von
dem Wagen auf die Heubüne ge-
schossen oder gereicht wird.
schwänzeln hieß man ebdessen den
altfränkishen Gang vornemer
Töchter und Weiber, denen man
was sie sich einbildeten hinten
ansehen mußte, wenn sie ihre
Scheiben, wie die Schwingsenkel
an den Uhren, bei jedem Schritte
hin und wider gehen ließen.
Einen solchen Gang hieß man
auch den Becher schwencken,
Schweize f. Zwibeln in Butter ge-
schweißt und geröstet, womit man
allerley Gemüse zuzurichten pfle-
get. Eine lange Schweize nennt
man auch eine lange überflüssige
Auslegung oder ein läres Ge-
schwätze, womit man eine Sache
begleitet.
'('Seidenmäeslein ein Brey von Milch-
ram, Eyerdotter und Zucker.
Seifenlab n. heißt das Wasser bey
den feinen Waschen, worinnen
geschabte Seife zerlassen worden.
'*'*8eiiferlich säuberlich. Mit weer
und harnest ztw dem seufer-
ZicAt«fenu8bereitet.(alt*Sturmord.)
SimmelmählSemmelmäbl. dmmeln
eine Frucht d. i. fein und weiß
mahlen.
Sinn f. die Aiche oder das obrig-
keitliche Maß, womach die Maße
flüssiger Din^e geaicht werden.
It* der Ort, da der geschwotene
Sinner oder Aichmeister die
Fässer und andere Maße flüssiger
Dinge zu sinnen und zu aichen
pfleget, gesinntes Faß geaichtes
'*'*Sittknst m. Papagey, psittacus
(Wursteis.)
**8on8ten sonst.
Spale f. hieß ehmals die Schulter
eines Tiers, ital. spala. It. we-
gen der Aehnlichkeit eine breite
Leitersprosse! , wie auch ein Quer-
holz, dergleichen man in Steigen
und bösen Straßen zur Bequem-
lichkeit der B>eisenden zu legen
pfleget. It. ein allso belegter
Ort selbst« Daher auch unser
Spalenquartier samt dem darzu
gehörigen Berge und Tohre den
Namen erhalten. Demnacn si
es eine Erfindung unverständiger
Neulinge, welche Paulquartier,
Paulberg und Paultohr darfür
schreiben. Denn wie wollen sie
die Spale d. i. das Quartier
selbst, nach dem Apostel Paul
nennen? Zum Beweise dis»er Er-
klärung dienet ein gewisser Alp-
hof auf unserer Landschaft, wel-
cher eben die Spale genennt
wird, weil man ebdessen die Zu-
gänge dahin mit Querhölzern
oder Späten belegen mußte. —
Spalemer Spalenbürger, Einwoh-
ner der Spale.
Spalentier ein Gespenst, welches
nach einem alten Yettelwahne
an dem Spalenberge und in der
Umgegend in der Gestalt eines
Kalbes herumgehen soll. Yiel*
ä7
leicht ist dises M&hrlein daher
entstanden, weil man ehmals
dem Spalenberge, da er noch ein
dicker Wald gewesen, wie an-
dern wilden Bergen einen eigenen
Berffteufel angectichtet hatte.
spänglen Kessel, Pfannen u. dergL
flicken, wie gemeiniglich von
Landstreichern geschiht. — Späng-
ler Spangenmacher, Blechner.
Spängier in den Augen, Schlaf-
begihrde, da die Augen einem
zufallen, als ob sie von einem
Spängler geschlossenVürden. Der
Spängier kommt ihm in die
Augen oder: er hat den Spängier
in den Augen d. i. er ist so
schlaftrunken, daß er die Augen
nicht mehr offen halten kan.
Wird nur von Weibern zu Kin-
dern gesagt.
*SpStzle Stichelwort, scomma.
'^'spätzliger Brief Spötterbrief, acu-
leatae literae. ""Spätzlen sticheln,
fatzen.
♦Spätziep Fatzvogel, Spötter. Un-
sere Amtleute haben in ihrem
Eide, sich alles Spätzelns zu
enthalten.
Spinnwetter Zimmerleute oder
Schreiner, die allerley Spanwerk
zusammenwetten oder fugen. Ist
zu Basel der Name eines Zunft-
hauses der Zimmerleute, Schreiner
und Steinmetzen.
*Spmnwidder Saugböcklein. In
einer obrigkeitlichen Verordnung
von 1628 wird geboten, bej den
Hochzeiten fQren dritten Eingang
aufzustellen zween Kalbs- und
einen Spinnwider oder Lambs-
braten.
Spittelmnck einer der geringem
Spitalgäste.
Sporen nu Sporn, calcar. Die Spo-
ren die Sporne, oder, wie Einige
nach den Sprachre^eln schreiben,
die Spömer calcana, wie z. e.
Dömer spinae.
*Sporer Spömer, Spornmacher.
Sprener (Mehrzahl) fElr Spreu in
der einzeln Zalil. *Spreuer
zetteln geschiht von bösen Leuten
zu Nacht vor dem Hochzeitsfeste
einer Braut, die eigentlich mit
dem Strohkranze prangen sollte,
da sie der Spreu nächstens zu
einem Wiegenfeste benötigt seyn
würde. Anderswo schätzet man
dergleichen Frevler den ehrlosen
Pasquillanten gleich.
**S^rang ein etwas ^her Högel,
wie z. E. unser Beinsprang und
Spitalsprung.
Stefzen m. das Stift oder spitzige
Beschläge an einem Stocke oder
der Senkel an einem Nestel.
♦steifer Bnbe, styfer Bue (Landw.)
für Hochzeiter, Freiher.
^stelzen sich an einen Acker sagt
man von einem anstoüenden
Acker, der unten schmäler oder
gar spitz ausläuft.
**Stepbet m. Seuche, Landseuche,
flechtende oder ansteckende
Seuche.
*Stiel oder Schlägel an einem
Kleide oder Mantel heißt die
Streife oder das Belege von Koht,
der sich bei garstigem Wege an-
setzet.
Stollen eine Stolle oder Docke an
Stiegen, Gängen u. dgl. oder ein
KugelfuB an einem Kasten, lt.
der große Knochen oder Griff
an einem Kalbs- oder Hammels-
braten. Spruch wörtlich sagt man :
Jemand an Stollen schmecken
lassen d. i., anstatt ihm den Bra-
ten zu kosten zu geben, ihn an
den abgenagten Knochen riechen
lassen und nach gewiß genom-
mener Hoffnung mit Nichts ab-
speisen.
Stoß m. Schlupfer, manchon*
Stößlein Schlüpferchen.
stoßen eine verstohlene Naht
machen, wie antüchenen Kleidern.
Sträl m. Kamm, pecten.
strälen kämmen, pectere. strälen
ist viel reinlicher gesagt als käm-
men, welches von Kam Hand her-
kömmt und den Gebrauch der
Alten noch anzeiget, die ihre
Hare mit den Händen geschlichtet ;
da hingegen das Wort Sträl ein
Werkzeug mit Zähnen, Strahlen
oder radiis bedeutet, womit die
Hare etwas säuberlicher gerichtet
werden. — Wenn Jemand durch
3d
Strafe oder ander Unglück der-
maßen herunterkömmt, daß es
mit ihm getahn ist, so sagt man
im Gespötte: es sey ihm gebür-
stet und gestrählt.
stranehen, einen Acker strauchen
heißt, solchen nach der Aemde
zur Nachsat wieder umbrechen
oder sonst die rechte Art tuhn«
Strüübli Schräubchen. It. eine Gat-
tung Küchlein zu Basels wozu
der Teig durch einen besondem
Trichter in die heiße Butter ge-
lassen wird, daß sie das Ansehen
kleiner verwickelter Schafgedärme
haben.
Stabenhrett) Stnbenbritt ein Brett
mit ausgehöhlten Furchen, der-
gleichen man ehmals vor die
Schwellen der Zimmer legte, da-
mit sich, wer von der Straße kam,
daran abkarsten möchte.
z^Stnbete go heißt in der Sprache
unseres Frauenzimmers einen Be-
such abstatten; in der Stube einer
Frau oder Jungfer Base nebst
andern Freundinnen einen halben
Tag mit Plaudern, Spielen und
Naschen zubringen.
stücken einen Baum d. i. solchen
beschneiden, auslichten und von
dem dürren, geilen und wilden
Holze reinigen.
Stncklein ein Faß, größer als ein
Führung oder ein Faß von fünf
Säumen und zuweilen so groß,
als es immer die Höhe und Breite
des Kellers erlaubet. Anderswo
heißt es ein Lagerfaß, DenBas-
lemamen hat es daher, weil es
ein Tührlein zum Ausbutzen hat
undallso gleichsam gestückelt ist.
**8tülilen einen flüchtigen Mörder
oder andern Uebeltähter heißt
das Blutgerichte über ihn halten
und ihn durch öffentlichen Buf
vorfordern^ Solches geschiht drey-
mal von acht zu acht Ta^, und,
wenn er das dritte Mal nicht er-
scheint, wird er in die Aberacht
erkannt und vogelfrey erklärt.
Störete f. Steuer, dergleichen das
Ghristkindchon den kleinen Kin-
dern zu bringen pflegt. Es isch
kei Stürete so guet, es isch au ä
Rüetli derby d. i. man erwirbt
und besitzet nichts Schönes noch
Gutes ohne Verdruß.
Stnrz m. weiß Blech.
*Stttrz m. calyptra, eine hochge-
steifte und kostbare Hülle von
zarter Leinwat, worein sich noch
vor etwann 40 Jahren da.s
Frauenzimmer in Basel und Straß-
burg bis an die Augen und Na-
sen zu verstecken pflegte. Das
ledige Frauenzimmer trug dise
gotische ünzierde bis auf die
Halskrause; die Weiber aber
hatten einen langen Riemen von
gleicher Leinwat hinten herunter-
hangen, und, so oft sie reden
wollten, welches natürlicherweise
sehr oft geschah, mußten sie das
steife Zeug wie ein Wehrbrett von
dem Munde hinwegziehen. Doch
war solcher zu allem Glücke dar-
unter nicht länger eingezwungen,
als die Trauerzeit und der Kirch-
gang währte.
**öubstitat Untergeordneter. Sub-
stitut in dem Spital, ünterspi-
talschreiber. RahtssubstitutUnter-
rahtschreiber.
TabackroUe ist ein leckerhaftes Ge-
bäcke vonSemmelmähl, Mandeln,
Zimmet und Zucker, welches mit
Butter durch einander gewirket,
in Form kleiner Tabackrollen ge-
drechselt und in dem Ofen geba-
cken wird.
Tafelscbneider ist hey der Wittwe
eines Schneiders derjenige Schnei-
derknecht, der die Stelle des
Meisters vertritt und nur zu-
schneidet.
*talig (Zuwörtchen) wird in Ver-
gleichungen gebraucht ; z. e. Ich
bin talig so gut als du ; ich bin
talig so viel als du, d. i. ich bin so
gut und kan so viel als du immer.
♦♦Taprasbftchse heißt bey unsom
Alten und andern schweizerischen
Schriftstellern ein Mauerbrecher
oder eine Kartaun, womit man
eine Sturmlücke schießt.
sein Maul zur Täsehe machen:
seine Worte wie ein LQgner zu-
rücknemen müssen.
3d
"^tatig zabm, der es näher gibt und
sich zum Gehorsam bequemet*
leb will den wilden Burscb so
tätig macben, daß man ibn um
einen Finger wickeln soll, tätig
werden zum Kreuze kriecben.
Tätli n. kleines Facb ; valvula. Eine
Täscbe mit vielen Tätlinen, J
bau alle mine Tätli usglärt.
AUewyl ebbis im Nehätätli
bhalten d. i. immerfort mit einem
Nobtpfenninge yerseben seyn.
Tatz halten müssen genObtigt seyn
zu tuhn was man will; nicht
ausweichen können, aus Nobt
gut tuhn. Ist eine Gleicbnißrede,
hergenommen von Tieren, wel-
che ihren Herren die Tatze rei-
chen müssen.
Teigaff ein unreifes ungebackenes
Bürschchen oder Mägdchen, wel-
ches sich doch eine Bedeutung
geben will und mit disem Namen
gedemühtigt wird* Eigentlich
nennen wir Teigaffenein übelge-
rabtenes, talkichtes und blasses
Gebäcke.
**Tenje Anton. Daher hat der
Tenjerhof in dem mindern Basel
den Namen, weil nämlich eh-
mals daselbst eine Kapelle des
heiligen Antonius gestanden.
Heutzutage sagt der Pöbel daftlr
Tony,
tenk nennet man zu Basel ein tal-
kichtes, übel^ebabenes Brot. Ale-
mannisch hieß tenk sonst link,
laevus, sinister; und es scheint,
daß vorzeiten dises Wort über-
haubt etwas ungeschicktes bedeu-
tet habe.
'^Tisehoiacher Tischler, Schreiner.
Töpli soviel als Täplein heiß endie ge-
schlossenen Yorderfinger. ein Töpli
voll, was man zwischen die Yor-
derfinger fassen kan. Töpli heißt
sonst m der Schule ein Streich,
den ein loser Jimge mit dem
Zuchtstocke auf die zugespitzten
und geschlossenen Yorderfinger
empfängt, dergleichen Töpli je
nach dem Yerbreohen vervielfäl-
tigt werden.
torken einen Teig oder ein Gebäcke
ungeschickt bereiten. Brot, Kuchen
und dergleichen, welches eineü
Torkerinn nicht gerahten,
nennet man einen Torkis.
"'Torse ein Halbdohr, ein tummes
Geschöpfe ; stolidus, stupidus.
Tragbären m. Tragbare, feretrum.
**tragendes Amt ist tumm gesagt
für ein Amt, das man trägt.
Yermöge meines tragenden Amtes
ist mehr nicht gesagt als vermöge
meines Amtes.
♦Trank n. der Trank; potus,pocu-
]um.
Trfister (Mehrz.) Traber, Hülsen u.
dergl., was nach dem Keltern üb-
rig bleibet. Trästerwein Lauer,
vinum acinaceum.
^Tränbelhnnd ein Hund, der des
Herbstes hütet und um nichts eine
Gegend vollheulet. Hülen wie
ein Trübelhund. Andere Deut-
schen sagen heulen wie ein Schloß-
bund.
Trefzen m. die Trespe, lolium.
*trensen ängstlich und mühsam
aussprechen, die Worte kaum von
der Brust bringen, wie ein eng-
brüstiger und stimmloser Redner.
*tren nennet man zu Basel ein
Kind oder Gesinde, das nur nicht
stihlt* So brauchet man auch
das Wort fromm. — *^rewsagt
man zuweilen auch für mild,
freygebig.
""trinken, Taback trinken Taback
rauchen.
*mit trockener Stimme absin/^en
d. i. ohne Begleitung eines Blas-
oder Saitenspiels.
Trog heißt bey uns nicht nur ein
Fischtrog, Backtrog, Wassertrog,
Schweintrog und dergl., sondern
auch eine viereckichte beschlüs-
sige Kiste. Die Landleute sagen
dwrfür Trucke* Das Minderwort
ist Tröglein, Trückli, arcula.
Trotte f. Kelter, torcular. Trotter
Kelterer, Keltermeister, torcula-
rius. Trottsib oder Weinbären^
worein man den Wein von der
Kelter ablaufen läßt, Keltersib,
Weinsib.
trübe Mählsnppe nennen unsere
Bauern eine Mählsuppe, wozu sie
Milch anstatt des Wassers nemen.
40
Trnesen Hefen, faeces. Traesensack
Seigkorb, Hefen- oder Weinseige,
qualus. Trttssenwein Sackwein.
•Trümpfe nennen die Bauern auf
unserer Landschaft ihre ^oSen
Gönner und Schuldherren in der
Stadt, mit welchen sie öfters
ihre Landvögte trotzen und mei-
stern wollen.
^Traohsinn f. Trabmaß, da man z.
e. Wein oder Bier nach dem ob-
rigkeitlichen Maße oder nach der
Aiche samt den Hefen gibt.
Tschope m. das Leibchen eines
Frauenzimmers nach der Basler
Tracht. It. ein einfältiger Tropf.
♦Tack m. die Tücke. Einen Tuck
im Sinn haben.
♦♦tttgelich tauglich, tüchtig.
Tnnkis m. Schnidtchenoder Stäbchen
Brot, womit man Wein, Brühen,
waiche Eyer u. derg). austunket.
Tiipfe n. ein dreyfüßiger nidriger
Deckeltopf. TüpfibeirS(ßchim^fw,)
der unten mit den Füßen hin-
auswerts gehet.
♦♦überäfern neine Nachbaren, über-
pflügen, Überären oder mit der
tJacke über den Markstein fahren.
nberä legen, ttbere nä heißt man
in der Schule einen bösen Buben
über die Bank legen und züch-
tigen.
'^'äberenzig übrig, überschüssig.
**iiberhageii seinen Nachbaren, d.
i. solchen überzäunen, mit dessen
Zaune auf dessen Marke und
Land hinausfahren, (bas. Lands-
ord.)
äberhaaren sagt man von den
Fischen, wenn sie über den Laich
fahren«
♦♦ttbermorndpigep Tag übermorgen-
der Tag, perendinus dies.
Uebername Spottname. In der Welt
wird man schwärlich mehrere
Spötter und Spötterinnen antref-
fen als zu Basel, die in einem
einzigen Uebemamen die Gebre-
chen oder Laster einer Person
mit der feinsten Bosheit auszu-
drücken und abzuschildern wissen.
Eben darum erben auch solche
Uebemamen auf Kinder und
Eindskinder, so gar, daß ihres
• wirklichen Geschlechts namens da-
rüber beynahe vergessen wird.
Unsere Alten gebrauchten das
Wort Uebername auch in gutem
Verstände, nämlich einen Na-
men anzudeuten, den man sich
durch schöne Tahten erworben.
♦•fibernutzeii Jemand, d. i. Einen
mit Wucher übergreifen oder
mit Pflügen und Zäunen seinem
Nachbarn etliche Furchen oder.
Fußbreit Lands abzwacken.
aberreif heißt ein Teig, der zu viel
ffehaben ist.
Ueperrynemer, üeberryemür die
jenseits des Beines wohnen. So
werden die Großbasier von den
Eleinbaslem und die Eleinbasler
von den Großbaslem genennt.
überwindligen nayen zwey Ende
über einander nähen, daß die
Naht wie ein Schnürchen heraus-
kömmt, wie z. e. an groben
Leintüchern« Das Gegenteil ^eyn
die sogenannten Gegenstiche
welche eine flache Naht machen
**uftr8cheii aufbürden, aufdringen
Eine Schuld ufträchen culpam in
aliquem conferre. Einen Grissler
(sie!) ufträchen ijra,miVimirapo ■
nere populo.
'"umfressen wie des Obervogts
Geiß von einem Tische zum an-
dern schmarotzen gehen, als ob
man das Recht darzu hätte.
^amschlaheii umschlagen. Eine Die*
binn umschlagen oder umschlo
d. i. dieselbe mit dem Trommel-
schlage durch die Stadt führen
und als eine Diebinn berüchtigen.
**aiiabgestriekt unentzogen, unbe-
nommen, unverweigert, unverbo-
ten« Sol inen dannochdas Abholz
unabgestrickt sein, (alte Sehr.)
*niidiiig8, ndings (Zuwörtchen) sehr,
häfti^, uding schaffen und sich
erwetern. Einen udings kapittlen
d. i. Jemand ärgerlich herunter-
machen.
*anft*omin nennet man das unge-
treue und diebische Gesinde.
nngäng ungangbar.
**Uiigeii08
ngenoBSame werden in unserer
Landsordnung die Ausländischen
41
in Ansebung der Einheimischen
genennet, nndUngenossamehei&t
die Verehlichung eines baselischen
üntertahnen mit einer Auslän-
länderinn.
^angesehaffen ungestalt, unge-
schlacht.
*Ungeschnef m. MiBgestalt, Mißge-
schöpfe.
*aiigewoii ungewohnt. **üngewöne
f. üngewohntheit.
♦♦angicBtige Schuld : ungeständige,
unlautere Schuld.
nnglescht Geschirr : ungeglastetes
Geschirre.
*aiiglypig ungelehrsam; indocilis.
♦♦Unkosten für die Unkosten. Man
begehet noch einen andern Fehler
mit disem Worte, indem man
solches nicht von Kosten unter-
scheidet, da doch dises Letstere
eigentlich sumptum Nohtkosten,
fraix, jenes aber faux fraix, Ne-
benkosten, ungenannte Kosten
bedeutet. Sagt m&n alle Kosten,
so begreifet man darinn keine Dn-
kosten. Verspricht man aber,
alle Unkosten zu bestreiten oder
zu bezahlen, so wird Beides dar-
dnrch verntanden.
ans un«i ; unser unser. Landw. üs,ü8^.
♦Unterhemde hieB ehdessen, was
wir jetzt Hemde nennen; und
Hemde oder Hemmli war der
Alten Wammes oder Bioi^fleck.
Unterhemde hei£it auch ein sehr
vertrauter und geheimer Freund»
Ein schweizerischer Schriftsteller
nennte ebde-^sen den ersten Mi-
nister eines Königs des Königs
Unterhemde.
nnzimmiBgessen ohne das Mittags-
mahl zu genießen, impransus.
nnznachtgessen ohne zu Nacht zu
essen, incoenis.
♦♦Ursächer, Ursächerinn Urheber,
Anstifter; Urheberinn, Anstifte-
rinn. Wenn man je Ursachen för
verursachen sagen dürfte und ein
Nennwort daher leiten wollte,
80 müßte es doch heißen : der Ur-
sacber und die Ui*sacherinn.
Usschatz Ausschuß der Mannschaft
zu einem Kriegszuge. II. Auswarf,
Aiiswürfling.
verbändelv den Saum eines Ge-
wands, Vorhangs, Teppichs u.dgl.
mit Bändeln umnähen oder be-
legen.
verDiunsen aufgeblasen, verschwol-
len, dunsicht.
*verhrnnipfen verrümpfen.
^'^verbünstig mißgönstig, neidisch;
invidus, invidiosus.
**verbannett mißgönnen, invidere.
**Verbunst m. Mißgunst, Neid.
'^verdammte Knte heißt in dem so-
genannten Mohrenspiele oder
Kugelspiele junger Bursche eine
Grube, die Einer aus ihnen mit
seinem Stocke verhüten muß, daß
keiner der Cebrigen seine Kugel
darein spielen möge. Man sagt
auch in dem Sprücbworte, wenn
Geld oder Anders übel angewandt
wird oder sonst verschwindet,
daß man nicht weiß, wo es hin-
gekommen : es sey in die ver-
dammte Kute gefallen.
^verdampfen dämpfig, feucht, warm,
schwül, dunstig.
"^veren^eren sich, sich verheuraten.
Ist eme Redensart unserer Land-
leute. Schier aber so drücken sich
die Waldenser aus ; wenn sie sagen
wollen : Ich bin so und so viele
Jahre in der Ehe, so beißt es:
Je suis embarrasse depuis tant
et tant d'annäes.
^vergangen erst neulich, noch nicht
lange; haud ita pridem. Ver-
gangen einmal kam er zi mir.
**vergrendeln mit Grendeln und
starken Bigein verwahren* Not-
ker hat Ps. CXLVII 2 fergrin-
delon.
verhalten eine Verpfändung ver-
hehlen und ein versetztes Gut
nochmals verpfönden und ver-
schreiben«
*verLineu vor Schwachheit und
Ohnmacht dahinfahren, langiiore
consumi vel perire. verhinen
sagten die Alten auch von der
hinfahrenden Zeit. S. Tschudi
Chr. T. 1, 163 a und II. 284 a.
♦•verleiten (in gut. Verst.) bewe-
gen, rühren. Eigentlich ist es
verführen, in errorem v. peica-
tum inducere. Gleichwol predi-
42
gen etwann Gelehrte : Die Liebe
nur habe Gott verleitet^ daß er
seinen Sohn in die Welt sandte.
**Vepuiäehnnß Vermächtniß.
**veriQasgeii beflecken. Seit etwann
100 Jahren ist dis Wort hier
veraltet.
vernfigen vergnügen, vernüglich
vergnüfflicb.
*vepschlane!i verschlagen. DieSchuel
verschlacken oder verschlo d. i.
solche versäumen, dameben her-
umschleichen, divertcre schola.
Verschmirzen verschmlBrzen, einen
Verdruß und Gram verdrücken
und verschlucken» sich eines Ver-
lustes trösten.
vertrampen eben treten, mit Treten
verderben. So war es ehmals ein
großes Aergemiß für die Weiber,
venu man den geblümten Sand
in den SommeVhäusem und vor
den Zimmern vertrampte« — Ver-
tramp das Brot nit am Boden.
♦vertranken der Trunkenheit er-
geben.
*vepuntpeaen verhexen. Sonst ent-
wenden, stehlen, sufTurari.
**verantl*euen eine Tochter d. u
solche um ihr Kränzlein bringen,
vitiare virginem.
♦Vierer beträgt zween Rappen. Wird
nur im Beebnen gesagt. — Von
einer spätemHand ist hinzugefö^:
Noch bis 1790 hatte man Vie-
renbrodt d. i. Viererbrodt, wei-
ßes Waizenbrodt um den Preis
eines Vierers = 4 Heller = 2
Bäppen; es waren immer zwey
zusammengebachen, die man
aber leicht von einander brechen
konnte; man nannte sie dann ein
Paar Vierenbrodt.
^vollkommener Rücken ein Buckel
oder Höcker auf beiden Seiten.
Ist der Rücken nur einerseits er-
höhet, so heißt er: nicht gar oder
schier gar vollkommen«
**von je weiten liar von Alter her,
jederzeit. (Ist veraltet).
Vor^ängerinn Aufwärterinn und
Pflpgerinn einer Sechswöchnerinn
und ihres Kindes.
**VopIaß oder **VorscUnß von
Weine oder Oele ; Lauterwein,
LauterÖl ; vinum vel oleum pvo-
totn^um, prima unda prell.
**V0P8teIIen einen Sünder, d. i sol-
chen vor die christliche Gemeine
stellen, daß er öffentliche Eir-
chenbnße tuhe und das Urteil des
Bannes anhöre. Da pflegt man
nur kurz zu sagen: Der oder die
ist vorgestellt worden.
*Wadlef m. Fischreuße von Garne.
Wahn li^en sagt man von einem
angebrochenen Fasse, darinnen
der Wein, wenn man ihn nicht
wieder auffüllet, verriechet.
*Waichikammer, da man das ge-
schwärzte weiße Zeug zum Ein-
waichen und Waschen aufhebet.
— Waichipl ander geschwärztes
weißes Zeug.
♦Wald für Wälder, s^ylvae. *Hock-
wäld obrigkeitliche Waldungen.
Waidenwachs n. der Harwachs, ten-
do. Von einem Geizigen sagen
die Basler: Er sey binden von
Waldenwaclis und vorn von
Farrenschwänzen, d. i. hart u. zäch .
*walen durch eine Wahl gehen
lassen. Er isch wol zwenzig mol
• gwaalt wordä, ee er ebbis wor-
den isch.
Walholz zu feinen Teigen: Walg-
holz, Wälger.
warben das GraR, sagen die Land-
leute um Basel, wenn sie das
frisch gefällte Gras mit der
Gabel aus einander schütteln,
da es dann, wenn es auf einer
Seite dürre worden, gewandt oder
gekehrt, femers geschörlet und
geschöchelt wird.
**wasmaßen ein veraltetes unnützes
Förmelchen der Herren Schreiber
für wie, weichermaßen, welcher-
sestalt.
**Wasserordnung obrigkeitliche
Verordnung, wie es in Wasser-
nöhten und bey Wasserstürmen
gehalten werden solle; derglei-
chen Wasserordnungen hier in
den J. 1531, 1549, 1602 imd 1686
herausgegeben worden.
Webersehliehte f. Brey der Weber,
womit sie das Garn geschlacht
43
machen od^ schlichten und ihre
Luken verkleistern. Weberschlichte
nennt man aach einen ange-
schmelzten groben Brey.
Wecken m. Weck, Keil. Hartes
verwimmertes Holz mit eisernen
oder hölzernen Wecken spalten«
wegen mit dem dritten Abänderungs-
falle anstatt des zweyten, cum
Dativo loco Genitivi. wogendem
oder jenem wegen dessen oder
jenes, wegen seinen großen Ver-
diensten weffen seiner großen
Verdienste. Wer mehrere Muster-
ehen verlangt, kan sie bey aller-
ley Gelehrten finden.
Weie f. niedliche Beckerkuche,
Bretzel.
*Weinwarm n. ist eine Gattung
Braut- oderKindbetterinnensuppe,
wozu das Brot würfelicht ge-
schnidten imd geröstet, hernach
köstlicher weißer Wein angegos-
sen und das Gelbe von Eyem
darunter geklopfet, endlich auch
. nach langem Bühren gestoßener
Zucker im üeberflusse getabn
wird.
weißt seit, er weiß.
**Weitwaide Gemeinwaide , pas-
cuum commune. -- Eine spfttere
Hand fügt hinzu: Wird, wenn
ich nicht irre, mehrenteils nur
von klaren (ä arbres clair-semÄ)
Wäldern, besonders Eichwäldern,
gebraucht, welche als Weide zu-
gleich benützt werden.
Werg, Werch n. heißt man in
Deutschland den Abgang oder
Auswurf des Hanfes nach dem
Hecheln ; zu Basel aber den rei-
nen Hanf Selbsten.
**Werknieistep heißt an dem Lohn-
amte der Obermeister und Auf-
seher über die Männer und über
den obrigkeitlichen, zu ihrem Be-
i-ufe gehörigen Vorraht.
**weserich artig, ränklich, nied-
lich.
* Wette f. Schwemme, Enten weyer.
Frau, euer Kind het ä Wette
gmacbt. — Dazu bemerkt eine spä-
tere Hand: Das nämliche mit
Sehweite (was man jetzt braucht,
Wette hörte ich nie), wenn
Wasser oder Wein auf einem
Tische oder auf dem Boden in
Menge verschüttet wird.
Wetterlaich m. Blitz, fulgur. Die
Alten haben auch Wetterlach
geschrieben.
** weyse, Weysheit ist der geziemende
Titel eines Stadtrichters oder
Schuldheißen. Für ein Haubt des
Standes gehöret mehr. (s. hoch-
weyse).
Wickerlein oder Todtenvögellein
nennen abergläubische Leute ein
Nachtvögelchen, welches sich et-
wann vor ein Fenster setzet und
seinen wilden Gesang zwitschert,
welcher die Bedeutung haben soll,
daß in kurzem Jemand aus dem
Hause sterben müsse.
**Wid©rsächer der Widersacher,
adversarius, und die Widersacher,
adversarii.
*Weechten, Weechtenen Schneetie-
fen wie in Tählern, Hohlwegen
u. dergl., da der Wind vielen
Schnee ^usammengeweht hat. --
Eine spätere Hand fügt bei: Süd-
lich vom Paßwang ist im Gant.
Soilothurn ein kleiner Alphof in
der Wiechten genannt, welcher
seiner Lage nach im Winter ein
solches Schneeloch sejrn mag.
W^ilds ein unehliches Kind, wild
nennen die Alten, was ihnen un-
bekannt war. Ein Wildes ist all-
so ein Kind, dessen Vater man
nicht weiß oder nicht wissen darf.
**Willfahr f. Willfahrung. gnädiger
Willfähr erwarten.
*Wingert m. Weingarten, Rebgarten.
Wvnzler{hai,n&w,) Rebschütze, der
die Weinberge hütet.
*Wirriwerri n. Gewirre, verworre-
ner Handel, daraus man bald nicht
klug werden kan.
wirser weher, schmerzlicher. Der
Schimpf tuht ihm wirser als die
Geldstrafe.
Wisbanm der Bindbaum auf einem
mit Heu oder Garben beladenen
Wagen. So heißt auch in den
alten deutschen Bibeln ein We-
berbaum, liciatorium.
**Wittib vidua spricht und schreibt
man anderswo wie zu Basel, aber
44
wider die Regeln der Abteilung,
für Wittwe oder Wittfrau.
Wittlin^ viduus ist nach den Regeln
der Ableitung oder Zusammen-
setzung so ffut gesagt als Witt-
wer oder Wittroann.
**woledeI wird bey öffentlichen An-
reden von unverständigen ohne
Bestimmung gebraucht. Einer
Versammlung von Herren Sech-
sem aus den Handelsleuten sollte
diser Titel angomessen seyn.
**wolfiipnemein altfränkischer Titel,
der undeutlich lautet und nichts
saget. Darfür könnte man etwann
hohedel oder woledel gebrauchen.
Worb n. Stiel, Griff oder Wurf einer
Wor^erlein kleines Männerhalstuch
mit einer Schnalle, Hafte oder
Knöpfen.
Wouwou m. Popanz, womit man
die Kinder schrecket.
wttest Tier ein pöbelhafter Schimpf-
name nur für gewisse Weibsge-
schöpfe. Zuweilen soll es gar
eine Schmeicheley bedeuten.
Wueschten m. Husten, tussis, — Lun-
ken und Lebern usen wueschten.
Wuhr n. Damm, Teich ; agger, fossa»
Das Wort soll man gelten lassen.
**WttildePgäb wundergierig, für-
witzig.
**WttiidePffäby f. Fürwit».
•*Wttiik ich oder er winkte, gab
einen Wink.
*Wlipgerleiii kleine Hauspastetchen.
wnrmfiBi^ wurmicht, wurmfräßig.
wurmstichig ärgert einen Hoch-
deutschen noch mehr.
yko einkommen, sich erhohlen: Er
isch sys Schades wol yko.
**Ylp m. Elephant^ *Ylpendputsch
erzplumper Kerl.
^zackeren zu Acker fahren, proscin-
dere terram aratro.
Zeeklein Abfall des Hanfs, stupa.
Sy Seel isch imemä Zeckli ver-
wicklet sagt man von Einem, der
seinen Erben die Weile lang macht.
Zehenden m. für der Zehnde oder
die Zehenden; decimae.
*zehenden zehnden, den Zehnden
bezahlen oder einziehen; decimare.
zeng zu enge. So hat man noch
im vorigen Jahrhundert auch ge-
schrieben.
*zer8Chieden verschieden , unter-
schiedlich
^Zengkerren die über das Zeughaus
verordneten Herren, die in leiden
regirenden Häubtern und zween
Rähten, nämlich einem Klein- und
Großrahte bestehen.
Zengwart der zur Verwahrung des
in dem Zeughause befindlichen
Kriegs vorrabtes bestellte Wächter
und Wärter, der zu disem Ende
seine Wohnung in demselbigen
hat.
Zinke m. Hyacint, hyacinthus, eine
wolriechende Frühlingsblume von
etwann 70 Gattungen*
zirlen mit einem Papir, Lappen,
Bändel oder dergleifhen tändeln
oder daran ropten wie die Kinder.
Man sag es auch von Leuten,
die bald verscheiden wollen und
zum Wahrzeichen an dem Lein-
lachen oder Kissen ziehen, winden
und drehen.
Zittrab n. Zittermahl, Zitterflechte,
impetigQ, liehen. Die Sachsen
nennen es auch sehr undeutsch
eine Zitracht.
Zobeli n. kleiner Zobel ; ein unehr-
barer Schimpfname muhtwilliger
und loser Mägdchen.
zöberst zu oberst. Er isch zöberst:
sein Zorn könnte nicht größer
seyn.
Zoller Zöllner. Das Erstere ist sprach-
richtig, das Andere üblicher.
*Zollig m. eine Züchtigung in der
Schule, die ein strafbarer Junge
mit der Ruhte ein- oder mebr-
mal auf der flachen Hand aus-
halten muß. Vor disem hieß es
ein Tolle,
*z'paer8 hart an einander. Die Hü-
ser und Güeter sind zruers an
einander; punctim, (Landw.)
*z'tieiid zu tuhn. Hesch nüt ztiend
hast du nichts zu schaffen ? Aleni.
ze tuende. Er isch mir eppis
ztiend (er ist mir etwas schuldig),
i mueß ämol mit ihm gritaen«
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2U wird in wenigen Bedarten
für gen^ versus, mißbraucht« I
will ze Peter d. i. gen Sankt Peter,
in Sankt Peters Quartier. I gang
%ue Peter mein Kirchgang ist zu
Sankt Peter.
"^züinftiff sagen unsere Bauern für
höflich.
die Zange schaben sagt man sprüch-
wörtlich von Leuten, denen nichts
gut genug ist. Das Gleichnißist
von den Kühen hergenommen,
welche viele Würmer auf der Zunge
haben und nicht eher essen und
trinken, als bis ihnen der ün-
raht von der Zunge geschabt
worden.
^'^Znsammenwtisnng heißt, wenn
der Richter zween streitige Teile
in eine Teidigung oder Gütig-
keit verweiset.
"^Zwatsehge f. der Quast von Haren,
Wolle, Seide, Binsen u. dergl.
z weglegen zurechtlegen, an die Hand
legen, in Bereitschaft legen, wie
z. E. einem Schneider oder an-
dern Arbeiter, damit er nicht auf-
gehalten weide und keine Zeit
verliei-e. Alle Lüt zweglegä heißt
Jedermann richten und beurteildä
und eine spöttische Auslegung
über ihre Eigenschaften machen.
Zweifelstrick ein zierlich gefloch-
tener Kunstzug, womit die Schreib-
meister zuweilen eine Schrift be-
schließen. It. ein verworrener
Handel.
*Zwetzen nennen die Bauern zu
Äugst die alten Münzen, welche
sie da herum aus der Erde graben.
"^^Zwinganken m. heißt der Drittel,
welcher von aller Butter, die
durch Basel gefuhrt wird und über
zehn Pfund beträgt, in dem Kauf-
hause zurückbehalten und auf
Rechnung des Eigentümers durch
den Waagmeister um einen Vie-
rer oder zween Bappen unter dem
marktlänfigen Preise verkauft
wird.
zwurig (Landw.) doppelt.
**Zyt n, Lebenszeit. Brüeder und
Schwöstem, die von Gott uß
disem Zyt berüefft sind, (basel.
K. 0. von 1626). Das Landvolk
sagt auch das Zyt für ühr,
Schlaguhr oder Sonnenuhr.
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